„Tote lügen nicht“

Klaus und Klaus und Klaus: Püschel signiert sein Buch. Vorne sind die Repliken seines Kopfes und des Schädels von Störtebeker aufgereiht. Foto: STAHLPRESS medienbüro

Rechtsmediziner Klaus Püschel stellte sein neues Buch vor

Volker Stahl, Hamburg
Kein hiesiger Mediziner ist so perfekt darin, Wissenschaft als Show zu inszenieren wie Klaus Püschel. Mit den Worten „vor Ihnen steht Ihr Hamburger Quincy“ begrüßt der Chef des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) sein Publikum in Anspielung an eine berühmte Fernsehserie, in der ein „Kollege“ eine tragende Rolle spielt. Für die Vorstellung seines neuen Buchs „Tote lügen nicht“, das er zusammen mit der Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher verfasst hat, wählte er den Hörsaal im Museum für Hamburg.Bevor Püschel im Duett mit seiner Co-Autorin den ersten Fall über einen Voodoo-Mord im westafrikanischen Benin vorträgt, stellt er seinem Publikum ein Rätsel. Er hält zwei Schädel in die Höhe und sagt: „Das sind Klaus und Klaus – aber nicht die beiden Stimmungskanonen von der Nordseeküste. Um wen es sich handelt, erzähle ich am Ende der Veranstaltung.“
Püschel hat Moorleichen untersucht, ägyptische Mumien, den Schädel des Piraten Störtebeker und die Leiche des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel. Sein Rat war aber auch 1996 bei Entführungen wie der des Hamburger Millionärs und Mäzens Jan Philipp Reetmsma gefragt. Püschel wurde darum gebeten, sich das „Spurenbild“ anzuschauen: „Auf dem Weg zum Haus sah ich eine umgestürzte Statue und charakteristische Blutspuren, die Hinweise auf eine körperliche Auseinandersetzung und einen Sturz gaben. Man konnte anhand der abgeknickten Zweige im Gebüsch und am Verlauf der Bluttropfen sehen, wohin die Spuren führten.“ Nach der Zahlung des Lösegelds kam Reemtsma wieder frei, die Täter wurden bald darauf entdeckt und ins Gefängnis gesteckt. Doch der Fall beschäftigte Püschel 18 Jahre später erneut, als der nach zehn Jahren Haft freigelassene Wolfgang Koszics an der portugiesischen Atlantikküste vom Felsen ins Meer stürzte. Suizid oder Mord? Für Püschel war der Fall nach Sektion der „breiigen Masse“, zu der Koszics Körper nach einem Jahr Lagerung bei vier Grad mutiert war, klar: „Die Todesursache ist eindeutig: Tod durch Ertrinken in Kombination mit zahlreichen Knochenbrüchen und Organzerreißungen infolge des Sturzes.“

Ein „Vollprofi“ ist gegen schlechte Gerüche immun

Nach der Fall-Schilderung prasseln Fragen aus dem vor allem mit Grauköpfen vollbesetztem Saal auf den berühmten Rechtsmediziner ein. Ob er frei von Ekel sei? „Klar, bin ich“, antwortet Püschel, der großes Vergnügen daran zu haben scheint, seine Zuhörer mit gruseligen Details aus seiner Arbeit zu versorgen. „Solche Fälle machen mir besonders viel Spaß, so merkwürdig es auch klingen mag!“ Er sei nun mal ein „Vollprofi“, der sich an ungewöhnliche Gerüche und entsprechende optische Eindrücke gewöhnt habe: „Die treten schnell hinter dem Interesse am Fall zurück.“
Anschließend folgt im Rahmen einer Powerpoint-Präsentation eine kleine Vorlesung zu seiner Profession. Sein Institut führt jährlich 1.300 Sektionen und 25.000 Krematorienschauen durch, dazu 5.000 giftkundliche und 2.000 DNA-Untersuchungen. Dann die Frage: Wollt ihr noch eine Geschichte hören? Ja, das Publikum hat noch Lust, sich weiter zu gruseln. Die Geschichte handelt von einem Mann, der einen behinderten Freund nach Jahren der Demütigung im Affekt tötete und dessen Leiche anschließend zwei Jahre mit Duft- und Insektensprays zum Schutz gegen das Ungeziefer behandelte. Die Tat wurde erst ruchbar, als eine Gesundheitsuntersuchung des Rollstuhlfahrers anstand und dessen Wohnung zwangsgeöffnet wurde.
Und wer sind nun „Klaus und Klaus“? Dass der dunkle Schädel eine Replik des Kopfes von Seeräuber Klaus Störtebeker ist, verrät Püschel zuerst. Und der andere Klaus? „Klaus Püschel“, rufen mehrere Besucher im Chor. Püschel freut sich und erklärt, dass es sich dabei um einen 3D-Druck handelt, der nach der Computer-Tomographie seines Kopfs hergestellt worden ist. Dann ist Schluss und der Showmaster signiert seine Bücher.


Buch
Klaus Püschel/Bettina Mittelacher: Tote lügen nicht. Faszinierende Fälle aus
der Rechtsmedizin. Ein
Krimi-Sachbuch, 288 Seiten,
Ellert&Richter Verlag,
Hamburg 2017,
14.95 Euro
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