Tiruye darf leben

Tiruye Mullat in Deutschland - ein hübscher Teenager mit einer außergewöhnlichen Geschichte. (Foto: ch)

Wochenblatt-Leser halfen, dieses Mädchen zu retten

Christiane Handke, Altona - Sie kam aus Berlin nach Hamburg, um den Wochenblatt-Lesern zu zeigen: Ich bin gesund. Das ist ein kleines Wunder - denn ohne die Menschen, die Geld für ihre 25.000-Euro-Herz-Operation gespendet haben, wäre Tiruye Mullat (16) aus Äthiopien heute tot.
Ihr Blick ist wach, und man merkt Tiruye an: Vieles, was um sie herum gesprochen wird, versteht sie. Doch Deutsch zu sprechen fällt ihr noch schwer. Einen Satz aber kann sie fehlerfrei sagen: „Ich will Medizinerin werden“.
Im Mai stieg sie das erste Mal in ihrem Leben in ein Flugzeug - ganz allein- und flog nach Berlin. Dort wurde ihr am 23. Mai im Deutschen Herzzentrum eine Herzklappe aus Metall eingesetzt; die zweite Herzklappe wurde repariert. 14 Tage blieb sie im Krankenhaus, seitdem wohnt sie bei der Familie eines Onkels. Und dort wird sie wohl auch bleiben, denn die Ärzte haben entschieden: Tiruye kann nicht zurück in ihr altes Leben; sie muss regelmäßig untersucht werden und Medikamente bekommen.
Das Mädchen hat diese Entscheidung akzeptiert. Ihre Eltern mussten sie - schweren Herzens - akzeptieren. Miteinander kommunizieren ist sehr schwierig. Das Handy der Eltern hat zu Hause keinen Empfang, sie müssen zum Telefonieren auf den nächst gelegenen Berg steigen. Post oder Postfach gibt es nicht.
Gorden Isler und Anja Werner haben Tiruye nach Deutschland geholt. Isler ist der Gründer des gemeinnützigen Vereins „Hamburger mit Herz“ , der die Menschen im Dorf Mekerie in Äthiopien unterstützt. Isler: „Geld sammeln ist die eine Sache. Aber selbst hingehen- da begibt man sich schon weit aus der Komfortzone“. Als er, gedrängt von seiner Freundin, seine „Komfortzone“ das erste Mal verließ, traf er auf Tiruye. Er erzählt: „Sie war ganz schlapp, ganz schwach, sehr krank. Ich bin kein spiritueller Mensch, aber ich glaube auch nicht an Zufälle. Ich hatte gerade den Verein Hamburger mit Herz gegründet - und da stand als ers-tes ein herzkrankes Mädchen vor mir.“
Seitdem kämpft Isler an zwei Fronten: Er sammelt weiter, um kranken jungen Menschen lebensrettende Operationen zu finanzieren. Und er arbeitet sich an der deutschen Bürokratie ab: „Ich hab mir das gesamte Sozialgesetzbuch reingezogen. Früher dachte ich, das ist schon alles richtig so, wie das in Deutschland läuft. Inzwischen weiß ich: Menschen, die weder eine Stimme noch eine Sprache haben und keine Bedrohung darstellen, werden gnadenlos abgewimmelt.“
www.hamburger-mit-herz.de
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