Tierquäler kommt ungeschoren davon

Zeuge Oliver G. bezog vom Angeklagten solche Prügel, dass er drei Tage arbeitsunfähig war. (Foto: ww)

Marcus W. (44) wirft seinen Hund durch die Luft. Richter: Er ist ja weich gelandet.

von Wolfgang Westphal, Blankenese - Manchmal sind Justitias Wege schwer nachvollziehbar. Im Amtsgericht Blankenese wurde der arbeitslose Heizungsbauer Marcus B. zwar wegen Körperverletzung verurteilt, aber vom Vorwurf der Tierquälerei freigesprochen.
Das war am 2. Juni passiert: Der angetrunkene Marcus B. überquerte mit seiner französischen Bulldogge „Sir Henry", die Straße Am Landpflegeheim in Osdorf. Weil der Hund nicht auf ihn hörte, packte der Angeklagte das Tier im Nacken und warf es mehrmals mehrere Meter weit durch die Luft.
Zeuge Oliver G.:  „Der kleine Hund zitterte am ganzen Leib, fiepte ängstlich und legte sich flach auf den Boden.“ Er stellte Marcus B. wegen dieser Quälereien zur Rede und bezog dafür Tritte ans Schienbein und in den Unterleib. Er war danach drei Tage lang arbeitsunfähig.
Obwohl ein zweiter Zeuge, Asmir C., die Beobachtungen von Oliver G. bestätigte, sah der Richter eine Tierquälerei nicht als erwiesen an: „Der Hund ist auf einer Grünfläche gelandet, und so sind erhebliche Schmerzen nicht nachzuweisen.“ Auch das von der Staatsanwältin geforderte einjährige Tierhaltungsverbot kippte der Richter.
Immerhin wurde der Angeklagte wegen des Angriffs auf Oliver G. zu fünf Monaten Haft verurteilt. Allerdings auf Bewährung – obwohl Marcus B. derzeit wegen einer weiteren Körperverletzung eine Bewährungsstrafe verbüßt. Woher der Richter die Gewissheit für eine positive Perspektive für Marcus B. nahm – normalerweise Voraussetzung für eine Bewährungsstrafe – blieb rätselhaft.
Vom Elbe Wochenblatt gefragt, ob er ein Schmerzensgeld von Marcus B. fordern werde, meinte Oliver G.: „Da kommt doch nichts bei raus, der Angeklagte ist arbeitslos, hat kein Geld und ist Alkoholiker. Da bleibe ich nur auf möglichen Kosten sitzen.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.