Polizei und Jugendliche im Clinch

Nächtliche Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei rund um Chemnitzstraße /Max-Brauer-Allee und Holstenstraße. (Foto: pr)

Krawalle rund um den August-Lütgens-Park

Sabine Deh, Christiane Handke, Altona-Altstadt - Im Bereich zwischen Holstenstraße, Chemnitzstraße und Max-Brauer-Allee ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Jugendlichen gekommen. Drei Nächte hintereinander kam es zu Krawallen, die in der Nacht von Freitag auf Sonnabend offenbar eskalierten.
Nachdem es in den letzten Wochen im Viertel vermehrt zu Straftaten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gegenüber Anwohnern gekommen sein soll, zeigte die Polizei dort verstärkt Präsenz. Als sich am Freitagabend dann einige Autofahrer bei der Polizei darüber beschwerten, sie seien von Jugendlichen mit Laserpointern geblendet worden, wollten die Beamten eine Gruppe von 16 Jugendlichen überprüfen.
Bei diesem Einsatz kam es laut Polizei zu massiven Ausschreitungen zwischen rund 150 meist jungen Anwohnern und 100 Polizeibeamten. Die Beamten, so die Polizei, seien mit Steinen beworfen, drei Autos angezündet worden. Andererseits wird den Polizeibeamten, unter anderem von Eltern betroffener Jugendlicher, viel zu hartes Vorgehen vorgeworfen. Die Polizei habe die jungen Altonaer seit Monaten auf dem Kieker und die Situation durch ständige Kontrollen eher verschärft als entspannt.
Zurzeit ist noch nicht ganz klar, ob die letzten Eskalationen eventuell gar nicht auf Jugendliche aus dem Viertel zurückzuführen sind, sondern auf angereiste Krawall-Touristen.
16 Personen im Alter von 17 bis 26 Jahren wurden vorläufig festgenommen. Gegen sie wird ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Sachbeschädigung eingeleitet.
Laut Polizei sollen die Krawalle ein Vorspiel gehabt haben. Bereits seit 2012 sei eine Gruppe Jugendliche immer wieder für mehrere Körperverletzungs- Drogen- und Raubdelikte verantwortlich zu machen.
Nun ist ein ein Gespräch am runden Tisch zwischen Anwohnern und Polizeibeamten geplant. Auch Politiker aus dem Stadtteil wollen an diesem Treffen teilnehmen. Ob sich die Situation danach entspannt, bleibt abzuwarten.

Nachbarn melden sich zu Wort
Erklärung der Nachbarschaftsversammlung Altona-Altstadt:
„Wir, 200 Nachbarinnen und Nachbarn aller Nationen aus Altona Altstadt, haben uns am Sonntag in einer Versammlung zusammengesetzt, um über die Ereignisse der letzten Tage zu sprechen.
Seit längerem werden Menschen im Stadtteil durch Polizei rassis-tisch behandelt. Insbesondere seit einer Woche kommt es verstärkt zu verdachtsunabhängigen Kontrollen von Jugendlichen. Die Polizei läuft in Fünfer-Gruppen durch den August-Lütgens-Park und die umliegenden Straßen, mehrmals pro Tag werden Jugendliche teilweise von den gleichen Polizisten kontrolliert. Die Schikane gegen Jugendliche gipfelte darin, dass eine Gruppe von 16 Jugendlichen am Donnerstagabend von Polizisten angehalten wurden. Die Polizei umzingelte die Jugendlichen, als sie die Straße überqueren wollten. Die Polizei beließ es nicht bei der Kontrolle sondern ging mit Pfefferspray und Knüppel gegen die Jugendlichen vor. Nachbarn und Familienangehörige wurden daran gehindert, ihnen Wasser zum Ausspülen der Augen zu bringen. Wir Nachbarn mussten zusehen, wie ein bewusstlos geschlagener Jugendlicher auf dem Boden lag und die Polizei sich weigerte, ihm auch nur die Handschellen zu lockern. Von den Jugendlichen ging dabei zu keinem Zeitpunkt Gewalt gegen Polizeibeamte aus. Dennoch wurden alle in Gewahrsam genommen. Über sechs Stunden mussten viele von ihnen auf der Wache verbringen, wo ihnen - einige hatten den ganzen Tag gefastet - Essen und Trinken verweigert wurde. Auf dem Weg zur Wache und in Gewahrsam wurden sie von Polizisten beleidigt und weiter geprügelt
Nur der Besonnenheit der Jugendlichen und ihrer Familien ist es zu verdanken, dass die Situation in der Folge nicht weiter eskaliert ist. Wir sind schockiert über dieses Ausmaß der Polizeigewalt. Wir sind besorgt darüber, dass es durch die gezielten Kontrollen von Menschen, die in den Augen der Polizisten einen „Migrationshintergrund" haben, zu einer rassistischen Aufladung der Stimmung im Viertel kommt. Wir sind Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen und wollen in Ruhe und ohne Übergriffe und Schikanen der Polizei in unserem Viertel leben! Wir haben ein Recht darauf, uns auf öffentlichen Plätzen, Straßen und Parks aufzuhalten! Wir erklären uns solidarisch mit den Jugendlichen und allen anderen, die von der Polizeigewalt und den Kontrollen betroffen sind!
- Wir fordern einen Jugendtreff unter Mitgestaltung der Jugendlichen!
- Wir fordern ein Ende der erhöhten Polizeipräsenz und der verdachtsunabhängigen Kontrollen!
- Wir fordern eine unabhängige Untersuchung der Gewalt und der Übergriffe von Seiten der Polizei und dass daraus politische Konsequenzen gezogen werden! Wir protestieren gegen das eskalierende Vorgehen der Polizei!
- Schluss mit rassistischen Stereotypisierungen und daraus resultierendem Verhalten bei der Polizei!“
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1 Kommentar
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Susanne Helms aus Altona | 17.07.2013 | 16:29  
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