Polizei „überfällt“ Rentnerehepaar

Nachdem die Polizei dem Rentner Handschellen angelegt hatte, beschlagnahmte sie alle Waffen aus dem Waffenschrank des ehemaligen Stadtjägers.

Großeinsatz in der Simrockstraße

Polizeibeamte stürmen ein Haus, richten ihre Waffen auf einen verängstigten Rentner. Der reißt auf Befehl seine Hände nach oben. Handschellen klicken.

Was nach einer Filmszene klingt, hat sich am vergangenen Donnerstagnachmittag im Haus eines Ehepaars in der Simrockstraße abgespielt. Das Wochenblatt besuchte das Paar. Beide sind um die 80 Jahre alt, wollen namentlich nicht genannt werden. Einen Tag nach dem Vorfall sind sie immer noch ganz verstört.
Das geschah: Der Rentner hatte sich gerade mit einem Gast in die Küche gesetzt, als es an der Wohnungstür klingelte. Der Mann ging in den Hausflur und drückte den Türöffner. Aus dem Nichts stürmten acht Polizisten auf ihn zu, richteten ihre Waffen auf ihn und brüllten ihn an, die Hände nach oben zu nehmen. Der alte Herr hatte noch gar nicht begriffen, was geschah, da war er schon in Handschellen und wurde auf die Straße geschleift.

Einsatzbefehl: „Mann mit
Gewehr auf der Straße“

Seine Frau war erschrocken vom Sofa aufgesprungen, als sie den Krach aus dem Flur hörte. Im gleichen Moment hatten Beamte auch den Gast in der Küche mit Handschellen gesichert. Die Frau bekam Anweisung, die Wohnung zu verlassen und im Treppenhaus zu warten. Da stand sie, allein, in Panik, ohne zu wissen, was los war.
Ein Spürhund wurde durch die gesamte Wohnung geschickt. Erst danach durfte das Ehepaar sein Zuhause wieder betreten.
Wie kam es zu diesem Vorfall? Es begann mit einem Anruf bei der Polizei. Der Einsatzbefehl war vage: „Mann mit Gewehr auf der Straße“. Weil die Polizei nicht wusste, was sie erwartete, fuhr sie mit einem Großaufgebot in die Simrock-straße. Ein Nachbar hatte beo-bachtet, dass ein Mann mit einem Futteral, aus dem ein Gewehrkolben hervorblitzte, im Haus des Rentnerehepaars verschwand. „Es hätte auch ein Amokläufer sein können“, erklärt der Polizeisprecher.
Tatsächlich hatte der Gast des Paars ein Gewehr bei sich. Er hatte es vor kurzem geerbt und sich mit dem Rentner verabredet, der früher als Stadt-Jäger gearbeitet hatte und sich mit Waffen auskannte. Sie hatten vor, gemeinsam zur Polizei zu gehen, um die Waffe abzugeben.
Für das Rentnerehepaar war der Vorfall ein Schock, der noch lange nachhallen wird. „Ich habe gedacht, die Welt bricht zusammen“, beschreibt die Frau ihre Gefühle. „Wir haben uns doch nie etwas zu Schulden kommen lassen.“
Die Polizei hat alle Waffen des ehemaligen Stadtjägers und das Gewehr des Gastes sichergestellt. Für einige Waffen soll es keine Waffenbesitzkarten geben. Ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ist eingeleitet worden.
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