Neubau statt Denkmalschutz?

Denkmalgeschützt: das Stahlskelett der Schilleroper. Foto: GE

Schilleroper: Bezirksamtsleiter Droßmann zeigt Entwürfe des Investors

Gerd Eichbaum, St. Pauli

Zwei Architekturdenkmäler dieser Art gibt es noch in Deutschland. Der denkmalgeschützte Pankower Ringlokschuppen am Berliner S-Bahnhof Heinersdorf ist akut einsturzgefährdet. Seit dem Verkauf des Geländes 2009 an einen Spekulanten gammeln die Gebäude vor sich hin. Das zweite ist die ebenfalls denkmalgeschützte Schilleroper. Das 1891 für den Circus Busch errichtete Stahlskelett-Ensemble rottet seit 2006 ungenutzt vor sich hin. Nach einem Eigentümerwechsel ist es wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, nachdem Falko Droßmann (SPD), Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte, in der vergangenen Woche auf einer Informationsveranstaltung „erste Ideen der neuen Eigentümerin“ zur zukünftigen Gestaltung des Geländes vorgestellt hat. 
Zwei Wohntürme, der eine zehn-, der andere sechsgeschossig, ein dreigeschossiger Rundbau für Büros, Läden und Werkstätten, alles in Rotklinker, dazu eine Tiefgarage auf der gesamten Fläche. Für Droßmann sind diese Ideen „so nicht genehmigungsfähig.“ Den Entwurf des schweizerischen Architekten Max Dudler zu verwirklichen, ginge nur mit einem Totalabriss. Er „präferiere einen Erhalt“ des Stahlskeletts, so Droßmann. Während ein Gutachten des Denkmalschutzamtes einen Wiederaufbau im Originalzustand für möglich hält, verneint ein im Auftrag der Eigentümerin erstelltes Gutachten der Landesgewerbeanstalt Bayern diese Möglichkeit.
Besucher lehnen die Entwürfe fast einhellig ab

Während der Info-Veranstaltung stießen die Pläne auf nahezu einhellige Ablehnung. Wertvolles architektonisches Erbe dürfe nicht vernichtet werden, Investoren würden für jahrelanges Nichtstun auch noch belohnt. Einige fragten, was dahinter stecke, etwas Nicht-Genehmigungsfähiges zu präsentieren.Die Anwohnerinitiative fordert den Erhalt und die Sanierung des Baudenkmals, seine Nutzung durch Menschen aus dem Stadtteil und bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum.
Im Herbst soll es dann „transparent und öffentlich“ weitergehen. Dann soll das Amt für Bauordnung und Hochbau ABH die beiden Gutachten geprüft haben. Anwohner fragen sich, ob bis dahin aus den Ideen auch schon ein Abriss- und ein Bauantrag geworden ist.
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