Mieter haben Angst

Senioren gehen auf die Barrikaden: Die Bewohner der Wohnanlage „Am Elbpark“ wollen wieder einen Pförtner haben. (Foto: cvs)

Seniorenheim „Am Elbpark“ hat keine Pförtnerloge mehr – jeder kann ins Haus, eine Bewohnerin wurde schon ausgeraubt

von Christopher von Savigny, St. Pauli - Die Bewohner der Seniorenwohnanlage „Am Elbpark“ im Zirkusweg haben Angst: Seitdem Anfang des Jahres die Pförtnerloge im Erdgeschoss geschlossen wurde, fühlen sie sich unsicher. „Es ist ein Haus der offenen Tür geworden“, sagt Ingrid Kaether (67). Immer wieder träfe man Personen im Foyer an, die dort nichts zu suchen hätten. „Ab und zu übernachten sogar Obdachlose im Keller“, berichtet ein anderer Bewohner, der namentlich nicht genannt werden möchte. Eine Seniorin wurde sogar schon in ihrem Zimmer ausgeraubt: Ein Unbekannter hatte sich bei der Mieterin als neuer Pfleger ausgegeben.
Früher war die Pförtnerloge montags bis sonnabends zwischen 8 und 20 Uhr mit Ein-Euro-Kräften besetzt. Seit dem 1. Januar sitzt dort niemand mehr. „Wir mussten die Loge aufgeben, weil die Bundesförderung für diese Arbeitsplätze Ende 2012 eingestellt wurde“, sagt Michael Ahrens, Sprecher der Saga/GWG, die die Wohnanlage betreibt. Aktuell werde eine Lösung erarbeitet.
Derzeit ist es für Fremde relativ einfach, hinter einem Mieter hineinzuschlüpfen. Nicht nur die Mieter, sondern auch deren Angehörige wollen, dass die Pförtnerloge wieder besetzt wird – auch, wenn das den Betreiber Geld kosten würde.
„Die Saga muss bereit sein, die Menschen, die jahrelang als Ein-Euro-Kräfte gearbeitet haben, nun in ein festes Arbeitsverhältnis zu übernehmen“, sagt Pamela Leske-Westphal, Tochter eines Bewohners.
Ein Teil der Senioren hat sich zusammengetan, um gegen die Zustände in ihrem Haus vorzugehen: Jeden Donnerstagnachmittag ab 15 Uhr treffen sich die Bewohner im Foyer. Doch der Protest flaut ab, seitdem die Saga ihren Unmut über öffentliche Aktionen und Medienberichte geäußert hat.
„Die Menschen haben Angst, gekündigt zu werden, wenn sie ihre Meinung zum Thema kundtun“, sagt Leske-Westphal. „Ich möchte den Menschen Mut machen, sich nicht einschüchtern zu lassen.“
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