„Menschen sterben dort wie die Fliegen“

Bereits 2007 radelten Oliver Ehrhardt (vorn) sowie Elisabeth Hackenberg (Mitte) und Ole Kleemann nach Kiew. (Foto: pr)

Blankeneser radeln nach Kiew, um an die Überlebenden der Tschernobyl-Katastrophe zu erinnern

Reinhard Schwarz, Blankenese - Am heutigen Mittwoch, 20. Juni, starten drei Blankeneser mit ihren Rennrädern Richtung Kiew, die Hauptstadt der Ukraine. Fahrtstrecke: rund 1.840 Kilometer. Ziel der „Tour des Leidens“ ist es, an die Menschen zu erinnern, die 1986 aus der sogenannten Todeszone rund um den Unglücksreaktor von Tschernobyl evakuiert und in Kiew wieder angesiedelt wurden. Und die immer noch unter den Folgen der radioaktiven Verstrahlung leiden und sterben – und dringend Hilfe für teure Medikamente benötigen.
Oliver Erhardt will innerhalb von zwölf Tagen zusammen mit den Freunden Ole Kleemann und Volker Gamrath Kiew erreichen. Begleitet werden die drei von Ehrhardt-Ehefrau Susanne, Tochter Shari (23) und Kleemanns Tochter Anna-Lena (15), mit einem gesponserten Tourbus.
In Kiew „wird vor allem Aspirin als Blutverdünner benötigt und Insulin für Zuckerkranke“, so Erhardt. Die Medikamente werden in der Ukraine gekauft, weil es bei Hilfstransporten regelmäßig Probleme mit dem Zoll gab.
Seit Jahren unterstützt das Blankeneser Ehepaar Susanne und Oliver Ehrhardt die Kinderpoliklinik für Tschernobyl-Kinder in Kiew und die Interessenvertretung der Umgesiedelten, die sich „Organisation Landsleute“ nennt. Denn vor Ort werde das Problem der Tschernobyl-Verstrahlten totgeschwiegen, sagt Susanne Erhardt: „Es gibt keine offiziellen Statistiken über die Zahl der Opfer. ‚Die Leute sterben wie die Fliegen’, sagte uns Tamara von ‚Organisation Landsleute’.“
Von circa 50.000 nach Kiew umgesiedelten Menschen würden jetzt noch 20.000 bis 30.000 Personen leben. Die meisten seien an Krebs erkrankt und verstorben. Inzwischen sei auch die zweite und dritte Generation nach Tschernobyl betroffen – die Generation der jetzt 25-Jährigen.
Zuletzt gelang es den Erhardts 2010 zusammen mit Helfern und Sponsoren einen ausgemusterten OP-Saal eines Versorgungsschiffes zur Poliklinik zu bringen.
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