Laugenbrezeln sind keine Nervennahrung

Gebannt vor der Leinwand: Gesche Boehlich Fraktionsvorsitzende der Grünen in Altona, Uwe Szczesny, CDU-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung, und Lorenz Flemming, Fraktionschef der FDP im Bezirk. (Foto: ch)

Der Wahlabend im Altonaer Rathaus

- Christiane Handke, Altona - Auseinandersetzung im Altonaer Rathaus um 17.42 Uhr, Minuten bevor die Wahllokale schlossen: Eine Mutter, die Wahlpapiere in der einen Hand, den etwa zehnjährigen Sohn an der anderen, rannte schimpfend den Flur entlang: „Du bist Schuld, weil du solch einen Terror gemacht hast. Deswegen hab ich den Zettel nicht zu Ende gelesen und bin in Panik hierhergefahren.“ War wohl das falsche Wahllokal. Man kann für den Kleinen nur hoffen, dass die Mama es noch geschafft hat, zu wählen.
Traditionell stehen die Türen des Altonaer Rathauses offen, bis die Auszählung zuende ist. Doch es war auffallend ruhig vor Ort. Lags an der kargen Verpflegung? Ein paar ältliche Laugenbrezeln, abgedeckt mit einer Papierserviette, Margarine im Plastikpott daneben, Apfelschorle, Wasser. Nicht eben Nervennahrung.
Die brauchte an diesem Abend vor allem einer: Lorenz Flemming, FDP-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung und Direktkandidat seiner Partei für den Bundestag. Krachende Verluste überall: seine Partei raus aus dem Bundestag. Und auch in Altona war die Bilanz bitter. Nur 2.630 Wähler stimmten für die FDP – im Vergleich zu 10.655 im Jahr 2009. Damit liegt die FDP hinter der AfD und sogar hinter den Piraten. „Viel trüber kann die Lage gar nicht sein“, meinte Flemming traurig, aber gefasst und verließ mit seiner Frau das Rathaus, ohne auf die endgültigen Ergebnisse zu warten: „Ob das weiter runter geht, ist auch egal.“
Vor der Leinwand mit den einlaufenden Ergebnissen standen ein zufriedener Uwe Szczesny, CDU-Fraktionsvorsitzender, der das Kopf-an Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU gespannt beobachtete. „Knopf drücken, anhalten“, rief er immer wieder, wenn die CDU im Kopf-an-Kopf-Rennen mit der SPD vorne lag.
Grünen-Fraktionsvorsitzende Gesche Boehlich, die angesichts der Ergebnisse im Bund wohl Schlimmeres befürchtet hatte, freute sich über das respektable Ergebnis, das der Direktkandidat der Grünen in Altona eingefahren hatte: „Das hat Anjes gut gemacht“.
Währenddessen schien die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD Martina
Friedrichs hin und hergerissen zwischen Zufriedenheit mit dem Ergebnis ihrer Partei in Altona, Frust darüber, dass der Abstand zur CDU so klein war und Entsetzen über das drohende Ja zum Volksentscheid über die Netze.
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