Kind ertrinkt – Regatta startet trotzdem

Tagelang suchte die Wasserpolizei auf der Außenalster nach einem 13-Jährigen, der am Freitag mit seinem Ruderboot gekentert und untergegangen war. Für die SVAOe kein Grund, ihre jährliche Segelregatta für die Jüngsten abzusagen. (Foto: Verena Münch/pixelio)

Segler-Vereinigung Altona-Oevelgönne richtete am Sonnabend Regatta für 120 Kinder aus – gleichzeitig suchte die Wasserpolizei nach einem am Freitag gekenterten 13-Jährigen

von Christiane Handke, Hamburg - Die Segler-Vereinigung Altona-Oevelgönne SVAOe steht in der Kritik. Sie hat am Sonnabend und Sonntag auf der Alster eine Regatta abgehalten, an der rund 120 Kinder und Jugendliche teilnahmen – während gleichzeitig die Wasserpolizei dort nach der Leiche eines 13-jährigen Jungen aus Blankenese suchte. Dieser war am Freitag mit seinem Ruderboot gekentert und ist mit großer Gewissheit ertrunken. Bis Redaktionsschluss war das Kind immer noch nicht gefunden worden.
Die Frage, ob man die Regatta absagen solle oder nicht, sei überhaupt nicht aufgekommen, sagte der Erste Vorsitzende der Segler-Vereinigung Altona-Oevelgönne, Andreas Völker, dem Wochenblatt: „Ich selber habe von dem schrecklichen Vorfall erst am Sonnabend in der Zeitung gelesen.“ Die erste Wettfahrt startete um 13 Uhr.
Völker, der auch stellvertretender Vorsitzender des Hamburger Segler-Verbandes ist, erklärt, dass aus ganz Norddeutschland Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren mit ihren Eltern zu der jährlichen Alster-Regatta für die Jüngsten und ihre Optis nach Hamburg kommen. „Selbst wenn man aus Pietätsgründen abgesagt hätte“, so Völker weiter, „hätte man das den Eltern, die von weither angereist gekommen sind, schlecht vermitteln können. Zum einen war die Alster bei dem schönen Wetter voll mit Hunderten von Booten. Zum anderen war am Sonntag, unserem zweiten Wettkampftag, Marathon entlang der Alster mit Blasmusik und Würstchenbuden.“
Die jungen Segler und die ehrenamtlichen Helfer der SVAOe hätten außerdem von den Suchaktionen weder etwas gesehen noch gemerkt.
Marcus Boehlich, ehemaliger Chef der SVAOe und Vorstandsmitglied, ergänzt: Die Regatta sei in Absprache mit und nach den Vorgaben der Wasserschutzpolizei durchgeführt worden. Boehlich gehört dem Regatta-Leitungsteam des Vereins an, ist für die „großen“ Regatten auf Elbe und Meer zuständig. Verständnis für eventuelle Kritik an der SVAOe hat er nicht: „Der Hamburg-Marathon findet statt – trotz der Bombenanschläge in Boston – und unser kleiner Verein wird kritisiert. Ein Absagen der Regatta hätte doch an der Situation nichts geändert.“
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Stefan Ecks aus Neugraben | 29.04.2013 | 20:00  
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