In die Freiheit entlassen

Die jungen Kiebitze wurden beringt, bevor sie in die Freiheit entlassen wurden. So kann man sie gut wiedererkennen. (Foto: Nabu)

Gerettet: Bezirksamt, Naturschutzbund und Vogelpark bewahrten 21 kleine Kiebitze vor dem drohenden Hungertod

Von Gaby Pöpleu

Er hat lange rote Beine, ein schwarz-weißes Federkleid und einen lustigen Federwedel auf dem Kopf: der Kiebitz. Der früher sehr verbreitete Vogel ist in der Stadt selten geworden. Das Bezirksamt Altona rettete nun 17 Kiebitz-Eier und vier Vogelbabys von einem begrünten Othmarschner Dach und organisierte die Aufzucht der Vögelchen im Vogelpark Niendorf an der Ostsee. Denn auf dem Dach hätten die Vögel nichts zu futtern gefunden. Jetzt kehrten einige von ihnen in die Freiheit an der Elbe zurück.
Eigentlich brütet der taubengroße Wattvogel auf feuchten Wiesen und Äckern, gern in der Nähe von Gewässern. Und dort, etwa am Elbstrand, findet er auch genügend Nahrung. Doch zwei Kiebitzpärchen hatten sich – vermutlich aus alter Ortsverbundenheit – ein begrüntes Dach als Standort für ihr Nest ausgesucht. Denn vor der Bebauung war dort eine Brachfläche gewesen.

Aufgezogen im Vogelpark an der Ostsee
Die Kinderstube der Vogelbabys wurde daher kurzerhand an die Ostsee verlegt. Jetzt waren 13 Othmarschener Piepmätze groß genug für einen Umzug in die „Wildnis“, acht folgen noch. „Das Auswildern hat super geklappt“, berichtet Marco Sommerfeld, Leiter der Carl-Zeiss-Vogelstation des Naturschutzbundes in der Wedeler Marsch. Erst waren die Kiebitze auf Nahrungssuche an der Elbe unterwegs, und abends kreisten drei Vögel über der Station. „Das ist für uns ein Zeichen, dass sie eine Bindung zu diesem Gebiet aufbauen und hier bleiben“, freut sich Sommerfeld. Zumindest, bis sie sich im Herbst anderen Kiebitzen auf ihrem Weg in den Süden anschließen.
In Hamburg brüten derzeit nur noch 310 Paare. Vor 15 Jahren waren es mit 650 noch mehr als doppelt so viele. „Die Zahlen befinden sich im freien Fall“, sagt Marco Sommerfeldt vom Naturschuntzbund Hamburg, „Und zwar deutschlandweit.“

Darum gibt es immer weniger Kiebitze
Naturschützer Marco Sommerfeld vom Naturschutzbund kennt mehrere Ursachen dafür, dass es immer weniger Kiebitze gibt:
– Hauptproblem: passende feuchte Brutflächen fehlen durch veränderte Ackerwirtschaft.
– Durch mehr Maisanbau werden viele Flächen Anfang Mai noch umgepflügt. Feuchtwiesen werden oft Mitte April gewalzt oder – bei intensiver Bewirtschaftung – gemäht. Kiebitz-Gelege werden dabei zerstört.
– In den vergangenen Jahren kam ungünstiges Wetter dazu: Ein sehr trockener April und Mai führte mehrere Jahre nacheinander dazu, dass feuchte Wiesen und Äcker zu schnell austrockneten.
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