Gesucht:Angehörige von Nazi-Opfern

Karen Haubenreisser legt Blumen am Stolperstein für ihren Onkel Rolf nieder. Der Stein wurde auf ihre Initiative hin verlegt. Jetzt setzt sie sich dafür ein, dass auch in Mainkofen eine Gedenkstätte für die Euthanasie-Opfer eingerichtet wird. (Foto: pr/cordes)

Osdorferin Karen Haubenreisser gestaltet Gedenkstätte für Euthanasie-Opfer

Alt Osdorf - Rolf Haubenreisser wäre heute 76 Jahre alt. Doch er starb kurz vor seinem zehnten Geburtstag am 16. Mai 1945. Die Nationalsozialisten ließen den kleinen Jungen aus Osdorf, der eine Behinderung hatte, in der bayrischen Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen verhungern. Dort erinnert bislang nichts an ihn. Seine Nichte Karen setzt sich jetzt für die Einrichtung einer Gedenkstätte in Mainkofen ein. Sie sucht Familien und Angehörige von Hamburger Euthanasie-Opfern, die ebenfalls in Mainkofen umkamen.
Der kleine Rolf lebte bis er fünf Jahre alt war in Alt-Osdorf. Im Jahre 1940 brachten ihn seine Eltern in die damaligen Als-terdorfer Anstalten, damit er dort gefördert werde. Nach nur drei Jahren wurde der achtjährige Junge im Jahr 1943 von dort mit 112 weiteren Menschen nach Bayern deportiert, in die Heil- und Pflegeanstalt Main-kofen. „Alle Kinder bekamen extra nur eine Stulle mit, damit sie dachten, dies sei ein kurzer Ausflug“, fand seine Nichte Karen Haubenreisser in ihren Recherchen heraus.
In Mainkofen ließ man den kleinen Rolf als „unwertes Leben“ verhungern. Grundlage war der vom Staatsministerium verordnete so genannte „Hungererlass“. Rolf starb acht Tage nach der Befreiung vom Faschismus. Er wurde auf dem Friedhof Mainkofen beerdigt.
Nachdem auf Initiative von Karen Haubenreisser im August ein Stolperstein für Rolf vor seinem ehenaligen Wohnhaus verlegt wurde, will nun auch die Klinik in Mainkofen eine Gedenkstätte für alle Euthanasie-Opfer einrichten. „Ich erhielt die Zusage, dass jedes einzelne Opfer des Nationalsozialismus sichtbar wird. Außerdem stimmte die Klinkleitung zu, dass meine Familie in die Gestaltung des Friedhofs einbezogen wird“, so Haubenreisser.
Doch nicht nur ihr Onkel Rolf, auch 111 weitere Menschen aus den Alsterdorfer Anstalten wurden nach Mainkofen deportiert. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass jedes Opfer bei seinem Namen genannt wird. Ich bitte die Angehörigen der Euthanasie-Opfern aus Mainkofen, mit mir Kontakt aufzunehmen.“
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