Flüchtlingslager geplant, Grundbesitzer nicht gefragt

Um dieses Gelände dreht sich die Diskussion: Wolfgang Kaeser (SPD, r.) hat das Grundstück im Westerpark geortet, das sich seiner Meinung nach für die Unterbringung von Flüchtlingen gut eignen würde. Der Grundbesitzer, Freiherr von Jenisch (l.), wurde dazu nicht befragt. (Foto: ch/ki)

SPD prescht vor in Sachen Flüchtlingsunterbringung im Westerpark

- von Christiane Handke, Nienstedten - Darf Politik sich einfach ein privates Grundstück ausgucken und vor aller Welt laut darüber nachdenken, ob man dort Flüchtlinge unterbringen kann – ohne vorher mit dem Eigentümer zu sprechen? Genau das hat in Altona die SPD gemacht.
Es geht um den den südlichen Teil der geschotterten Rasenfläche an der Straße Quellental im Westerpark. Dieser gehört Martin Freiherr von Jenisch, der das gesamte Gelände für einen symbolischen Euro im Jahr als Park an die Stadt verpachtet hat.
Wolfgang Kaeser aus der SPD-Bezirksfraktion kennt als Nienstedtener die Gegend genau. Er meint: Das Gelände ist perfekt, um dort Flüchtlinge unterzubringen, und schlug es mit seiner Fraktion zur Prüfung vor: „Die Aufnahme von Flüchtlingen ist eine Frage der Nächstenliebe und Solidarität“.
Einer wurde nicht gefragt, ob er das genau so sieht: der Eigentümer der Fläche, Martin von Jenisch. Der war verständlicherweise „not amused“, als er aus der Zeitung erfuhr, wie über sein Grundstück verfügt wird. Eine Sprecherin der Familie sagte dem Wochenblatt: „Da stellt sich die Politik hin und macht den Generösen, als sei das ganz ihre Entscheidung – wie naiv ist das denn?“
Und auf die Bitte nach einer Stellungnahme: „Wir können doch gar nicht Stellung nehmen, offiziell wissen wir ja von nichts!“
Auch am Tag nach der Bezirksversammlung habe sich noch niemand aus Altona mit der Familie Jenisch in Verbindung gesetzt. Deren entnervtes Fazit: „Das Ganze ist eine Peinlichkeit sondergleichen!“
CDU, Grüne und FDP in der Bezirksversammlung sehen das genau so und werfen der SPD dicke handwerkliche Fehler vor. Lorenz Flemming (FDP): „Sie haben den dritten Schritt vor dem ersten gemacht“. Gesche Boehlich (Grüne) drosch auf den Koalitionspartner ein: „Sie machen Politik zu Lasten Dritter.“
Wolfgang Kaeser versteht „die ganze Aufregung“ nicht. Er steht nach wie vor zu seinem Vorschlag. „Erst jammert man uns die Hucke voll, wir sollen unbedingt Flächen für die Flüchtlinge finden. Dann schlägt man was vor, und jetzt ist das Geschrei groß.“ Außerdem sei er der Meinung „Eigentum verpflichtet“.
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