Erst Fingerabdruck, dann Essen

Erst den Fingerabdruck, dann das Essen: An fünf Schulen im Hamburger Westen werden die biometrischen Daten von Kindern gespeichert, damit sie per Fingerabdruck ihr Essen bezahlen können. (Foto: people & projects)

An fünf Schulen im Hamburger Westen bekommen Schulkinder ihr Mittagessen nur nach Abgabe des Fingerabdrucks

- Hamburg-West - Erst den Fingerabdruck geben, dann gibts Essen. Was wie eine Beschreibung aus dem Knastalltag klingt, ist in fünf Schulen im Hamburger Westen Realität. In der Schulkantine bekommen Kinder erst ihr Essen, wenn sie ihren Fingerabdruck abgeben. Seit diesem Schuljahr wurde in fünf Schulen im Hamburger Westen und zwölf Schulen in ganz Hamburg das Bezahlen per biometrischer Daten eingeführt.
Fürs Schulessen zahlen die Kinder – ja nach Einkommenslage der Eltern – unterschiedliche Beträge. Mit dem bargeldlosen Bezahlen soll soziale Ausgrenzung vermieden werden, denn: Kein Kind sieht, was das andere fürs Essen bezahlt. Deshalb geben die Kinder ihren Fingerabdruck ab. In Sekundenschnelle kann festgestellt werden, ob genügend Geld auf dem Konto fürs Schulessen ist und das Kind zugreifen darf.
Beim Zahlen per Fingerabdruck werden fünf bis acht markante Punkte gespeichert. Für die Teilnahme an diesem Bezahlsystem mussten die Eltern zuvor ihre Einwilligung geben. Und entscheiden sich meist so wie Claudia Herden. „Das habe ich sofort für mein Kind gewählt“, sagt die Vorsitzende des Elternrates der Schule Franzosenkoppel. Die Alternative, eine Chipkarte für 20 Euro anzuschaffen, kam für sie nicht in Frage.
Die erste Panne gab es schon in einer Barmbeker Schule. Es wurden auch die Daten von Kindern, die nicht per Fingerabdruck bezahlen wollten, gespeichert. Zwar sagte das Unternehmen zu, die Daten komplett zu löschen, doch das rief den Hamburgischen Datenschutzbeauftragten auf den Plan.
Derzeit prüft er, ob das Bezahlen per Fingerabdruck sicher ist – und äußert generelle Bedenken gegen das Verfahren. „Es ist zu befürchten, dass die alltägliche Verwendung der biometrischen Daten ein Gewöhnungseffekt und ein Gefühl der Normalität bei den Kindern entstehen lässt. Das könnte dazu führen, dass Kinder und Jugendliche ihre unveränderlichen, biometrischen Daten und damit einen Teil ihrer Identität unkritisch immer dann preisgeben, wenn es gefordert wird“, gibt Arne Gerhards, Sprecher des Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz, zu bedenken.
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