Einsatz für Romakinder

Dzoni Sichelschmidt (li.) gewann den mit 2.500 Euro dotierten Bürgerpreis der Bezirksversammlung Mitte. Jutta Kodrzynski, Zweite Vorsitzende der Bezirksversammlung Mitte, sowie Falko Droßmann, Fraktionschef der SPD, freuten sich mit dem Preisträger. (Foto: cvs)

Dzoni Sichelschmidt gewinnt den Bürgerpreis der Bezirksversammlung Mitte

Christopher von Savigny, St.Pauli - Seine erste Reaktion? „Ich war total baff“, berichtet Dzoni Sichelschmidt. „Dabei mache ich doch nur meinen Job!“ Von der Bezirkversammlung Mitte hat Sichelschmidt jetzt den ersten „Bürgerpreis für herausragendes Engagement in der Integrationsarbeit“ überreicht bekommen. Das Preisgeld betrug 2.500 Euro. Die Auszeichnung wird jährlich für besondere Verdienste an Bürger im Bezirk Mitte vergeben.
Sichelschmidt arbeitet als ausgebildeter „Bildungsberater“ an der Stadtteilschule am Hafen sowie an einer Harburger Schule. Der gebürtige Kosovare unterstützt Roma- und Sintikinder der 5. bis 10. Klassen. „Mein Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen mehr Selbstbewusstsein entwickeln“, sagt Sichelschmidt. Nebenher ist er ständig mit Eltern und Lehrern im Gespräch und entwickelt neue Projekte. Derzeit versucht er, die Sprache „Romanes“ (die Muttersprache der Sinti und Roma) als eigenes Schulfach zu etablieren – auch Landeskunde soll dazugehören. Zusätzlich bietet Sichelschmidt ehrenamtlich Nachmittagsprojekte im „Haus der Familie“ auf St. Pauli an.
Ursprünglich wollte der 1971 geborene Kosovare nie aus seinem Heimatland weg. Aber dann brach Anfang der 1990er Jahre der Kosovokrieg aus, Sichelschmidt floh zu seinem Onkel nach Deutschland. „Eigentlich wollte ich Tierarzt werden“, erzählt er. „Aber hier wurden meine Zeugnisse nicht anerkannt. Außerdem fehlte mir das Geld zum Studieren.“ So beschloss der junge Mann, sich für sein Volk einzusetzen, und landete bei der Schulbehörde, wo er eine Ausbildung machte. Mit dem Preisgeld möchte Sichelschmidt den Aufbau des von ihm gegründeten Jugendverbands der Sinti und Roma „Nevo Drom“ voranbringen.
Einen guten dritten Platz (dotiert mit 1.000 Euro) bei der Verleihung des Bürgerpreises konnte Coscun Üresin verbuchen, der eine Altonaer Theatergruppe für Menschen mit Behinderungen leitet. Das Ensemble „Dialog ohne Hindernisse“ erarbeitet Stücke zu brisanten Themen wie Gleichberechtigung, Sexualität und Behinderung.
Der Bürgerpreis wurde in diesem Jahr zum siebten Mal vergeben. Insgesamt wurden 79 Vorschläge eingereicht – mehr als je zuvor. „Die große Anzahl von Menschen mit Migrationshintergrund, die vorgeschlagen wurden, zeigt deutlich, wie sehr man sich gesellschaftlich verantwortlich fühlt“, sagt Jutta Kodrzynski, stellvertretende Vorsitzende der Bezirksversammlung.
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