Ein Leben mit Musik

Umgeben von Kindern, Enkeln und Urenkeln, feierte Alice Laatz ihren 100. Geburtstag. Im Hintergrund: Urenkelin Charlotte (13). (Foto: ch)

Alice Laatz wurde am 8. Februar 100 Jahre alt

von Ch. Handke, Bahrenfeld - Das Hamburger Abendblatt hat sie immer dabei - es steckt in einer Seitentasche ihres Rollstuhls. Alice Laatz, geborene Segler, am 8. Februar 100 Jahre alt geworden, hält sich auf dem Laufenden. Und nicht nur das: Sie hat auch eine Meinung dazu. Morgens am Frühstücks-tisch kommentiert sie regelmäßig die politischen Entwicklungen in ihrer Heimatstadt.
Wer 1913 geboren wurde, hat viel erlebt: zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, die Teilung Deutschlands und seine Wiedervereinigung. Alice Laatz hat ihre Familie sicher durch alle Wirren gesteuert und ist mit 100 Jahren umgeben von einer Schar dankbarer Kinder, Enkel und Urenkel.
In Altona geboren, wurde sie Schneiderin - doch ihre ganz große Liebe war immer die Musik. Und die heiratete sie 1938 in Person von Willy Laatz, Geiger im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. Ihn hatte sie bei einem ihrer vielen Konzert- und Opernbesuche kennengelernt. „Er hat konzertiert, und Mutter war zu Gast“, erzählt der älteste Sohn des Paares, Wilfried Laatz, ebenfalls Geiger, Konzertmeister und Professor für Musik.
Zwei Jungen und zwei Mädchen wurden geboren, alle kamen während des Zweiten Weltkriegs zur Welt, 1938 Wilfried, Beate 1942, Dagmar 1943, Egon kurz vor Kriegsende 1945. Während die eigene Familie wuchs, hatte Alice bittere Verluste zu beklagen: Ihre drei Brüder fielen im Krieg.
Sohn Wilfried erinnert sich an eine „sehr fürsorgliche Mutter“, die ihre Kinder in den eiskalten Kriegs- und Nachkriegswintern mit „maßgeschneiderten“ Mänteln aus alten Wolldecken warm hielt. Musik stand in der Familie immer im Mittelpunkt. Das hat sich weitervererbt: Auch unter den acht Urenkeln gib es schon jede Menge Musiker: Josephina (9) und Emilia (12) haben beispielsweise Geigenunterricht beim Großvater, Charlotte (13) spielt Klavier.
1972 starb Alice Laatz’s Mann; danach lebte sie jahrzehntelang selbstständig im Theodorstieg. Erst vor zwei Jahren zog sie „ums Eck“ an die Theodorstraße, ins Parkdomizil am Bahrenfelder See. Dort fühlt sie sich sichtlich wohl.
Nur eins sei ihr richtig schwer gefallen, erzählt ihr Sohn:  sich an den Mittagsschlaf zu gewöhnen: „Mittagsschlaf hat sie nämlich in ihrem ganzen Leben nicht gemacht!“
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