Die Sklavenhändler aus Altona

„Sankofa Space“: Hannimari Jokinen in ihrer Ausstellung im Stadtteilarchiv Ottensen. Foto: cvs

„Sankofa“: Veranstaltungsreihe erinnert an dunkle Stadtteil-Vergangenheit

Ch. v. Savigny, Altona
Als ganz normale Segelschiffe getarnt zogen sie von Altona aus die Elbe hinunter. Doch sobald sie auf hoher See und außer Sichtweite waren, ging die Arbeit an Bord los: Aus den mitgeführten Holzbalken bauten Zimmerleute massive Verschläge, in denen später die an der Goldküste versklavten Afrikaner untergebracht werden sollten. „Historische Quellen weisen darauf hin, dass auch Altonas Kaufleute am Handel mit versklavten Menschen beteiligt waren oder davon profitierten“, sagt Hannimari Jokinen, Künstlerin und Kuratorin der Veranstaltungsreihe „Sankofa“, die an den Verkauf der dänischen Karibikinseln an die USA vor genau 100 Jahren und an den damit verbundenen Menschenhandel erinnern will (s. u.).

Altona machte Profit durch Sklavenhandel

Am sogenannten Dreieckshandel zwischen Europa, Westafrika und der Neuen Welt hatte Altona, das bis Mitte des 19. Jahrhunderts unter dänischer Verwaltung stand, erheblichen Anteil: An den Küsten von Ghana und Sierra Leone tauschten die norddeutschen Seefahrer mitgebrachte Gewehre und Stoffe gegen dunkelhäutige Arbeitskräfte ein, die in enge Käfige gesperrt die wochenlange Reise nach Westindien überdauern mussten. „Sie waren dort eng eingepfercht“, sagt Jokinen. Auf kaum mehr als einem halben Quadratmeter pro Person. „Man kann davon ausgehen, dass bis zu einem Drittel von ihnen bereits unterwegs an Entkräftung und Infektionskrankheiten gestorben ist.““ Wer die strapaziöse Überfahrt lebend hinter sich gebracht hatte, kam anschließend auf die Plantagen von St. John, St. Croix und St. Thomas – die Inseln, die im Jahr 1917 für 25 Millionen Dollar (heute etwa 400 Millionen Euro) den Besitzer wechselten. Zu den Rohstoffen, die die damalige „Dänische Westindien-Kompagnie“ produzierte, gehörten Zucker, Baumwolle und andere „Kolonialwaren“.
Seit nunmehr 15 Jahren beschäftigt sich Jokinen mit dem Thema – und mit Altonas dunkler Vergangenheit. Das Projekt „Sankofa“ (der Name geht auf einen afrikanischen Vogel zurück) läuft noch bis Mitte September und ist unter anderem im Altonaer Museum und im Stadtteilarchiv Ottensen zu sehen. Die Reihe wird von Lesungen, Vorträgen und Filmvorführungen begleitet.
sankofa-altona-vi.de
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