Die Polizei-hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner?

Hamburg: S-Bahnhof Blankenese | Der Artikel "Angekettet!" im Elbe Wochenblatt Nr 50, Elbvororte, lässt die von dem Missgeschick betroffenen Fahrradbesitzer, deren Eigentum "fremdangekettet" wird, ratlos zurück. An wen soll er/sie sich wenden, wenn, wie in ihrem Artikel beschrieben, die Polizei nicht kommen will.

Kaum hatte ich ihren Artikel "Angekettet!" im Elbewochenblatt Nr 50, Elbvororte gelesen, ereilte mich dasselbe Schicksal: ein nach Hause radeln war unmöglich, jemand hatte sein Fahhrad mittels Kettenschloss an den Fahrradstellbügel und an meinen Fahrradrahmen gekettet.
Eine Stunde verharren in eisiger Kälte am Blankeneser Bahnhofsplatz und die Suche nach dem "Täter" in angrenzenden Geschäften und Praxen blieb erfolglos, ein Taxi brachte mich nach Hause.
In der Hoffnung, an nächsten Nachmittag mein endlich "befreites" Fahrrad vorzufinden, kehrte ich zurück - Fehlanzeige.
Mittels vor Ort geliehener Eisensäge wollte ich nun endlich mein Eigentum von der fesselnden Eisenkette befreien, die Aussage der Polizei in Ihrem Artikel "Die Polizei ist nicht zuständig und kommt nur bei Personenschaden" in frischer Erinnerung. Folglich kam für mich nur "Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner" in Frage.
Ein naiver Gedanke und folgenschwerer Fehler!
Mein Sägen am Schloss an so zentraler Stelle blieb natürlich nicht unbemerkt. Gut einem Dutzend aufmerksamen Zeitgenossen musste ich mein Handeln erklären, der Sachverhalt war klar erkennbar.
Ich erntete dann mitleidige Blicke und bedankte mich für die fürsorgliche Ansprache.
Endlich war mein Fahrrad befreit, nun wollte ich die Säge zurückbringen. Weit kam ich nicht, jemand hatte durch einen Anruf bei der Polizei eine Fahndung ausgelöst: "Fahrraddiebe am Werk".
Alle verfügbaren Streifenwagen in der Nähe sicherten mögliche Fluchtwege ab. Unter neugierigen Blicken hunderter vorbeifahrender Passanten wurde ich im Schein des zuckenden Blaulichts eines Steifenwagens von dessen Besatzung "gestellt" und langwierig "überprüft". Den Wunsch der Beamten, endlich einen Fahrraddieb und Straftäter zu stellen, konnte ich nicht entsprechen. Ich konnte alles plausibel erklären und beweisen. Die Beamten wurden milder: "Normalerweise würden Sie jetzt schon in der Zelle sitzen und müssten den Einsatz bezahlen!"
Mein Fahrrad jedoch wurde beschlagnahmt, da ich keinen schriftlichen "Eigentumsnachweis" am Mann hatte. Mein "betreuender" Beamter klärte mich nun auf: "Glauben Sie nicht alles, was in der Zeitung steht. Natürlich kommt die Polizei auch in solchen Fällen und befreit mit Spezialwerkzeug ihr Eigentum. Aber nur, wenn Sie einen Eigentumsnachweis mit sich führen!" - Hilfeleistung gegen Fahrradpass.

Thilo Gehrke,
Wedel
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3 Kommentare
Karin Istel aus Neugraben | 17.12.2012 | 09:34  
13
Thilo Gehrke aus Blankenese | 18.12.2012 | 12:48  
23
andreas g. aus Altona | 18.12.2012 | 13:30  
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