Der Weg, der aus Liebe gepflastert wurde

Der 91-jährige Otto Siems nutzt mit seiner Frau Henriette gern den schmalen Grandweg, der nach seinem Großvaters Otto Siems benannt wurde.

Eine kleine Geschichte des Otto-Siems-Weges

Wer in der Waitzstraße einkauft, hat ihn bestimmt schon oft für den schnellen Heimweg genutzt: den Otto-Siems-Weg. Der Gehweg verbindet die Waitz- mit der Bellmannstraße. Doch wer war eigentlich Otto Siems?
„Mein Großvater“, schmunzelt Otto Siems. Der 91-Jährige kennt sich hervorragend in der Familiengeschichte aus. „Mein Großvater wohnte in der Bellmannstraße 14. Sein Kontor hatte er in der Innenstadt, am Sandtorkai, denn er war Kaffeemakler. Er ging immer sehr knapp aus dem Haus. Um seine Bahn in die Innenstadt dennoch rechtzeitig zu erreichen, nutzte er immer den Verbindungsweg zur heutigen Waitzstraße, den „Katzenstieg“.“ Auch seine Frau Magdalene nutzte gern den Weg, wenn sie mit ihren Freundinnen in die Oper ging. Dabei machte sie sich ihre hohen Hacken des öfteren schmutzig, was ihr gar nicht gefiel. Der Weg war nämlich nicht gepflastert. Aus Liebe zu seiner Frau setzte sich Otto Siems, der ein einflussreiches Mitglied im Flottbeker Gemeinderat war, dafür ein, dass der Weg gepflastert wurde.
Doch nicht nur für den Weg, auch für den Bau der Flottbeker Kirche und der Grundschule machte sich der im Jahre 1866 geborene Otto Siems stark. „Ich bin ganz stolz auf ihn. Er war doch ein wichtiger Mann hier in Flottbek“, freut sich sein Enkel. Doch Otto Siems verstarb früh: Am 31. März 1916 erlag er mit nur 49 Jahren einem Gehirnschlag.
Noch viele Jahre nach dem Tod von Otto Siems war die 86 Meter lange Abkürzung unter dem Namen „Katzenstieg“ bekannt. Bis Ur-Enkelin Henriette sich ein ganz besonderes Geschenk für ihren Vater zum 80. Geburtstag ausdachte: Die Umbenennung des Weges auf den Namen seines Großvaters war genehmigt worden.
Am 16. August 2004 wurde der Weg, der jetzt Grandbelag hatte, offiziell nach Otto Siems benannt. „Viele meiner ehemaligen Patienten sprachen mich darauf an: Jetzt haben sie auch einen eigenen Weg, Herr Doktor! Doch das habe ich sofort zurechtgerückt“, sagt der Internist bescheiden, dessen Augen noch heute bei der Erinnerung an seinen bekannten Großvater leuchten.
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