Das letzte Picknicktheater

Das Theater N.N. wird im Juni geschlossen. Dennoch wird das Ensemble ab Ende Juli im Römischen Garten "Leonce und Lena" aufführen - wahrscheinlich zum letzten Mal. (Foto: ch)

Das Theater N.N. wird im Juni geschlossen - trotzdem will das Ensemble im Sommer im Römischen Garten noch spielen

Blankenese - Die Kulturbehörde streicht dem Theater N.N. die jährliche Förderung von 30.000 Euro. Ende April wird voraussichtlich der letzte Vorhang im Eimsbütteler Theaterhaus fallen, Ende Juni wird es schließen. Trotzdem will Theaterleiter Dieter Seidel im Sommer wieder im Römischen Garten spielen.
Wenn alles klappt, werden die Schauspieler des Theaters N.N. ab Ende Juli zehn Mal „Leonce und Lena“ aufführen. „Wir werden uns ganz auf die menschliche Stimme besinnen“, kündigt Dieter Seidel an. „Wir werden weder Tontechnik noch Instrumente einsetzen, sondern uns auf das alte Gauklerspiel besinnen. Das wird nicht lauter als 70 Dezibel.“
Denn im vergangenen Jahr hatten Nachbarn sich beschwert, die Aufführungen im Römischen Garten seien zu laut. Das Bezirksamt Altona verlangte Lärmgutachten und außerdem noch eine Bürgschaft, sollte während der Aufführungen der Garten beschädigt werden. Das Geld konnte Theaterchef Seidel nicht aufbringen. Die Vorstellungen fielen aus.
Bislang hat der Theaterchef vom Bezirksamt zwar noch keine Rück-meldung hinsichtlich der Sondernutzung des Römischen Gartens erhalten. „Doch das sehe ich als Formalie an“, so Seidel.
Das Ensemble wird mit Tränen im Knopfloch spielen: Das Theaterhaus in Eimsbüttel wird dann bereits geschlossen sein. Die Kulturbehörde stellt ihre Förderung ein. Private Bühnen müssen durchschnittlich zu 50 Prozent ausgelastet sein, um Zuschüsse zu erhalten. Das N.N. erreichte nur 46 Prozent.
Bei ihren Berechnungen zählte die Kulturbehörde nämlich nicht die regelmäßig ausverkauften Vorstellungen im Römischen Garten mit. Das waren immerhin insgesamt 1.200 Zuschauer pro Saison. „Es ist allein der reguläre Spielbetrieb zu berück-sichtigen“, so Enno Isermann, Pressesprecher der Kulturbehörde. „Für die Sommerbespielung im Römischen Garten hätten Projektmittel beantragt werden können. Die Bewerbungsfrist ist allerdings am 31. Januar abgelaufen. Anträge des Theaters N.N. haben wir nicht erhalten.“ Dieter Seidel ist verblüfft: „Das hat mir keiner gesagt.“
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