„Das ist Baumfrevel!“

Die Eiche am Elbwanderweg war früher ein üppiger Baum. Heute sieht sie skurril aus: Ihre Äste wurden nur im Mittelteil des Baumes abgeschnitten. Krone und zwei Äste in Bodennähe sind noch da. (Foto: pr)

Nur die Mitteläste wurden abgesägt, damit die Anwohner auf die Elbe gucken können

Blankenese - An die 80 Hamburger Grundstücksbesitzer haben es gut. Ihnen garantiert die Stadt freien Blick auf die Elbe. Dass dafür ein Baum extrem zurückgeschnitten werden muss – Pech!
Kurt B. (Name der Redaktion bekannt) wohnt am Elbwanderweg und ist empört: „Das gibt´s doch nicht! Da werden an einem gesunden Baum Äste abgeschnitten. Nur, weil die Anwohner einen freien Blick auf die Elbe haben wollen. Das ist Baumfrevel!“
Entlang des Elbwanderweges stehen alte Bäume mit mächtigen Kronen und ausladenden Ästen. Darunter auch eine Eiche, die einem Anwohner im Krumdals Weg bis vor kurzem noch die Sicht auf die Elbe versperrte. Jetzt macht sie das nicht mehr, dafür sieht sie recht skurril aus: Die Krone sowie zwei Äste in Bodennähe sind noch da. Doch das übrige Astwerk wurden radikal abgeschnitten. „Es ist schrecklich, dass etwas getan wird, was nicht Not tut“, sagt Kurt B. und unterdrückt seine Wut nur mühsam.
„An der Stieleiche wurde ein fachlicher Kronenpflegeschnitt durchgeführt“, bestätigt Nils Fischer, Pressesprecher des Bezirksamtes Altona. Fachlich ist alles O.K. „Wir haben den Baumschnitt kontrolliert“, so Fischer.
Der Hintergrund: Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde der Elbwanderweg geplant. Er hätte über Privatgrundstücke geführt. Also schloss die Stadt Hamburg einen Vertrag mit einigen Anwohnern: Im Austausch für die benötigten Grundstücke verpflichtete sich die Stadt, den Grundeigentümern immer einen freien Blick auf die Elbe zu garantieren.
Das so genannte Elbaussichtsrecht kann mit dem Grundstück verkauft werden. Es ist also unerheblich, ob jemand dort in einem alten oder neu gebauten Haus wohnt. Ist ein Vertrag über freie Elbsicht vorhanden, muss die Stadt die Bäume so beschneiden, dass die Anwohner auf die Elbe
blicken können. Und genau das hat das Bezirksamt getan: „Wir haben den Baum zurückgeschnitten, um das vertraglich garantierte Elbaussichtsrecht einzuhalten“, sagt Fischer.
Wie gut, dass die Stadt damals keine freie Sicht auf den Harz ausgehandelt hat!
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