Buddelschiffe(r) aus Lurup

Peter Hollander ist begeisterter Buddelschiffer sowie einer der Gründer der Deutschen Buddelschiffer Gilde, die in diesem Jahr ihr 25. Jubiläum feiert. (Foto: ch)
 
Die Fäden aus synthetischem unzerreißbaren Material sind nur 0,06 Millimeter stark. Hollander muss sie durch Löcher ziehen, die nur einen halben Millimeter im Durchmesser sind - diese Löcher muss er vorher erst bohren. (Foto: ch)

Vorgestellt: Peter Hollander von der Deutschen Buddelschiffer Gilde

von Christiane Handke, Lurup - Peter Hollander (65) ist ein Großer, was kleine Schiffe angeht: Er baut seit Jahrzehnten Buddelschiffe und hat die Deutsche Buddelschiffer Gilde mitgegründet.
Die Familie Hollander, ursprünglich aus Blankenese, hat seit Generationen mit Schiffen zu tun. Der Ururgroßvater baute 1830 den Schoner „Johannes“. Sein Großvater war Miteigner eines Fischkutters in Blankenese. Und sein Vater fuhr Schleppdampfer auf der Elbe.
Auch Peter Hollander wollte aufs Wasser. Aber da war der Vater vor: Der Junge sollte was Ordentliches lernen. Doch das befriedigte die Sehnsucht nach Schiffen nicht. Schon der Vater war Modell- und Buddelschiffbauer - diese Leidenschaft erbte der Sohn. Und wie! Er zeigt ein Schiff im Entstehen: die „Penang“ eine Bark von Laeisz, so klein, dass sie auf eine Handfläche passt, aber alles dran, was dazugehört. Die Fäden haben einen Durchmesser von 0,06 Millimeter und werden - zweimal! - durch Löcher gefädelt, die einen Durchmesser von 0,5 Millimeter haben.
„Gaaanz ruhig“ ist das Motto der Buddelschiffer. „Es gibt Tage, da geht das einfach nicht“, sagt Peter Hollander, der mit Nadeleinfädler, Brille und Lupe arbeitet. Sein Arbeitsplatz in der Luruper Wohnung ist die Abstellkammer. Die winzigen Modelle brauchen so wenig Platz, dass auch noch jede Menge Küchenvorräte in die Kammer passen. Mehr Raum als die Arbeit selbst nimmt die Fachliteratur ein: Peter Hollander hat inzwischen 185 Schiffsbücher in den Regalen stehen. „Dafür habe ich bestimmt an die 8.000 Euro ausgegeben, aber sonst ist Buddelschiffe bauen kein teures Hobby“, sagt er.
An die 60 Stunden arbeitet Hollander im Schnitt an einem Buddelschiff. Die Flaschen dazu lässt er sich von einem Glasbläser machen, weil kommerzielle Flaschen Schlieren haben, die das Arbeiten schwierig machen. „Ich baue mit der klassischen Zugtechnik“, sagt Hollander. Heißt: Er setzt das ganze Schiff dreh- und klappbar zusammen, schiebt es durch den Flaschenhals und richtet es innen mittels unzähliger Zugfäden auf. An-sonsten hat jeder Buddelschiffer seine eigenen Techniken, Kniffs und Tricks. Manche bugsieren das Schiff in lauter Einzelteilen in die Flasche und bauen es drinnen mit chirurgischen Instrumenten zusammen.
Was sich Peter Hollander wünscht: Hobby-Nachwuchs. „Wir bringen das Buddelschiffbauen auch gerne bei!“


Deutsche Buddelschiffer Gilde

Die Deutsche Buddelschifer Gilde wurde 1988, noch zu DDR-Zeiten, über die Staatsgrenzen hinweg in Warnemünde gegründet und umfasst auch Buddelschiffer aus anderen deutschsprachigen Ländern, wie zum Beispiel Österreich. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig, um Tipps und Erfahrungen auszutauschen und ihre neuesten Werke zu begutachten. In diesem Jahr wird in Leer vom 13. bis zum 15. September das 25. Jubiläum gefeiert. Gleichzeitig gibt es eine Buddelschiff-Ausstellung.
Wer mehr über die Buddelschiffer erfahren will, schaltet am Mittwoch, 10. April, von 12 bis 13 Uhr die Sendung „Plattenkiste“ von NDR1 Radio Niedersachsen ein. Dort wird die Deutsche Buddelschiffer Gilde vorgestellt.
Mehr Info: www.deutsche-buddelschiffer-gilde.de
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