Boxen in der Schule statt Prügeln in der Pause

Echte Kämpfe sind tabu – dies hier nennt sich „Pratzentraining“ (vorne: Mikail, 14, li., gegen Cristiano, 14; Mitte: Nikola, 15, li., gegen Elmedin, 14; hinten: Trainer Panna Botis mit Rasim, 13). (Foto: cvs)

Anti-Aggressionstraining mit der Boxschool

von Christopher v. Savigny, Altona - In der Sporthalle riecht es nach Schweiß: „Einmal Führhand, zweimal Schlaghand“, ruft Trainer Panna Botis. Eifrig befolgen die Schüler seine Anweisungen, schlagen mit ihrer schwächeren Faust, der „Führhand“, einen Haken in die Luft und lassen mit der anderen Hand eine schnelle Gerade folgen. Wer einen Fehler macht, scheidet aus. Macht nichts, das dient als Ansporn, weiterzumachen. Denn gleich anschließend geht’s in die
nächste Runde.
„Boxen ist meine Leidenschaft“, sagt Cristiano (14), der wie seine Mitstreiter die 8c der Kurt-Tucholsky-Schule besucht. „Man kann richtig gut Stress abbauen.“
Seit gut eineinhalb Jahren läuft das Kooperationsprojekt des Hamburger Vereins Boxschool mit Schulen in der Hansestadt, an der Schule Luruper Hauptstraße sogar schon seit sechs Jahren. Insgesamt sieben Schulen nehmen teil (siehe Info-Kasten). Durch das Boxtraining sollen Schüler Technik und Disziplin lernen, Dampf ablassen und Spaß haben.
Das Angebot wendet sich in erster Linie an verhaltensauffällige Schüler und Schülerinnen zwischen 10 und 16 Jahren, aber auch an alle, die einfach Spaß am Boxen haben.
„Das Training wirkt deeskalierend“, sagt Olaf Jessen, Vorsitzender der Boxschool. „Das merkt man auch auf dem Schulhof.“ Allerdings müsse man sich in Geduld fassen. „Durchschnittlich sechs bis zwölf Monate dauert es, bis wir an einer Schule akzeptiert sind“, so Jessen. Der Kontakt erfolgt meist über die Beratungsstelle für Gewaltprävention des Landesinstituts für Lehrerbildung. In einem Vorgespräch werden die Rahmenbedingungen vereinbart, Kollegium und Trainer tauschen sich regelmäßig miteinander aus.
„Wir arbeiten mit der Boxschool zusammen, weil Kinder dort lernen, sich an Regeln zu halten und mit ihren Aggressionen kontrolliert umzugehen“, sagt Arne Gudjons, stellvertretender Leiter der Kurt-Tucholsky-Schule. Sein Fazit: „Wir haben durchaus schon Erfolge festgestellt.“

Infos:
Diese Hamburger Schulen kooperieren mit dem Verein Boxschool: Schule Am Heidberg, Integrative Ganztagsschule Am Johannisland, Schule Arnkielstraße, Geschwister-Scholl-Schule, Schule Othmarscher Kirchenweg, Schule Luruper Hauptstraße, Kurt-Tucholsky-Schule.
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