Blankeneser Frauen

In Blankenese war man diesmal sehr gespannt auf das neue Buch „Blankeneser Frauen“ von Maike und Ronald Holst. Seit Anfang Juni ist das Buch im Handel und kann für € 24.80 erworben werden. Statt im Schümann Verlag ist das Werk im Wacholz Verlag erschienen und macht schon äußerlich mit seinen Hardcover-Umschlag mehr her, als die früheren Blankeneser Broschüren.
Gespannt war man, welche Blankeneser Frauen , denn für würdig befunden wurden, um in diesem Buch erwähnt zu werden.
Die Verfasser gingen dabei chronologisch vor. Da werden die Blankeneser Frauen vorgestellt, die im 17.18. und 19. Jahrhundert in dem Fischerdorf und Strandräubernest Blankenese meist ihre Nachbarn heirateten , wohl wissend, dass ihre Männer, zumeist Fischer oder seefahrendes Volk nach ein paar Jahren oft auf See blieben. Diese Frauen fristeten ihr Leben dann als arme Witwen oft auch noch mit kleinen Kindern, wenn sie nicht das Glück hatten, einen älteren verwitweten Mann aus der Verwandtschaft oder Nachbarschaft zu heiraten. Diese Frauen waren mit 60 Jahren runzlig und verbraucht , wenn sie denn überhaupt so alt wurden. Wahre Heldinnen des Alltags.
Gebildete Blankeneser Frauen kamen sehr oft von außen. Charitas Bischoff, Tochter der Naturforscherin Amalie Dietrich kam aus Sachsen nach Blankenese und brachte der Blankeneser Jugend auf dem „Kahlkamp-Gymnasium“ lesen, schreiben und rechnen bei. Das tat sie so eindrucksvoll, dass noch mit über 80 Jahren ehemalige Schüler sie nicht vergessen haben.
Ida Dehmel wird genannt, die den berühmten Dichter Richard Dehmel heiratete, nachdem beide ihre Ehegesponsten entledigt hatten und ihm von Berlin nach Blankenese folgt. Die schöne Rheinländerin Ida himmelte ihren Richard an. Dessen Werk ist heute kaum lesbar und der entpuppt sich am Ende des ersten Weltkrieges als Kriegshetzer und bekommt sogar von der deutschen Militärführung Redeverbot. Nach dem Ableben von Dehmel gründet Ida die GEDOK, ein noch heute existierender Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer e. V. Sie bringt sich 1942 in Blankenese um. Sie wurde von den Nationalisten in den Tod getrieben.
Die Mutter des Modezaren Karl Lagerfeld, Elisabeth Lagerfeld, ist kaum bekannt. Ein Bild von ihr ist leider nicht aufgetrieben worden. Schade! Diese Frau war sehr dominant und machte ihre Umgebung zu Sklaven, wie ihr Sohn mal berichtete. „Rede nicht, dann merkt man nicht wie dumm du bist“, soll sie zu Karl Lagerfeld gesagt haben. Kein Wunder, dass bei so einer Mutter Karl Lagerfeld eine so bizarre Persönlichkeit wurde.
Paula Rahloff, Deutschlands erste Blumenbindemeisterin, die schon mit 15 Jahren selbstständig wurde, hat danach erfolgreich das Blumengeschäft über Jahrzehnte an der Bahnhofstasse geführt.
Anna Poppe wird in dem Buch erwähnt, die 22 Jahre ihren erkrankten Sohn pflegte und Maria von Ehren, die als zarte Frau schwere Kohlensäcke schleppen musste. Heute undenkbar für die jetzt Lebenden, die die Gnade der späten Geburt genießen dürfen, wie es ein deutscher Politiker mal ausdrückte.
Die Kapitänstochter Elisabeth Flickenschildt hat in der höheren Schule vor „versammelter Mannschaft“ mitgeteilt, dass sie später Schauspielerin werden möchte. Ausgerechnet das hässlichste Mädchen der Klasse und dann mit roten Haaren, erzählte mir mal eine Mitschülerin. Dann wurde diese Frau eine der bekanntesten Schauspielerinnen, die mit Gustaf Gründgens im Hamburger Schauspielhaus als Marthe Schwerdtlein brillierte . Ihre markante Stimme konnte man bis zur letzten Reihe im Rang gut verstehen. Selten gibt es heute noch Schauspierinnen wie die Flickenschild. Meist nur junge schlanke schöne Frauen mit Puppenmake-up.
Lore Hülsen ist die Gründerin der Blankeneser Trachtenabteilung. Sie schaffte es , eine Gruppe Blankeneser Frauen zu veranlassen, dass nach alten Vorlagen Blankeneser Trachten samt Unterkleider und spitzenbesetzten Unterhosen genäht und Häubchen und Schmuck auf eigene Kosten angeschafft wurden. Leider leidet die Trachtengruppe unter fehlendem Nachwuchs.
Ausführlich werden die „Süllbergsfrauen“ vorgestellt und auch die „Süllbergsretterin“ Monika Lühmann und die Politikerin Dr. Lore Peschel-Gutzeit. Und noch viele Frauen mehr. Es ist gut und anerkennenswert, dass Maike und Ronald Holst diese Blankeneser Frauen vorgestellt haben. Manches ist etwas anekdotenhaft und unvollkommen geblieben. Das liegt auch in der Natur der Sache. Nicht immer lässt man sich in der Familie in die Karten schauen oder will wohl auch nicht daran erinnert werden.
Heiner Fosseck
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