Bauleiter erneut vor Gericht

War er der ominöse Säger im Sven-Simon-Park? Joachim D. (57) mit Anwalt Detlef Guder vor Gericht. (Foto: cvs)

Joachim D. (57) soll illegal Bäume gefällt haben, um Wohnungen teurer zu machen

Villa mit Elbblick: Wer Inserate dieser Art in die Zeitung setzt, muss im Allgemeinen nicht lange auf Interessenten warten. So in etwa präsentiert sich die Ausgangslage für die Hamburger Staatsanwaltschaft, die jetzt zum zweiten Mal Anklage gegen den 57-jährigen Bauleiter Joachim D. erhoben hat.
In der Zeit von Januar bis Juni 2008 soll D. zusammen mit noch unbekannten Mittätern zehn bis zu 25 Meter hohe Bäume im Sven-Simon-Park gefällt haben, um den Wert einer Immbilie am Grotiusweg zu steigern. In erster Instanz war D. Anfang dieses Jahres vom Amtsgericht Blankenese freigesprochen worden. Zu dünn sei die Beweislage, argumentierte das Gericht damals. So habe die Hauptzeugin, eine Spaziergängerin, den Angeklagten nicht wiedererkennen können. Auch von seiner Ehefrau war D. entlastet worden.
Zu Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens schweigt Joachim D., der von zwei Anwälten vertreten wird, zu den Vorwürfen. Der vorsitzende Richter verliest lediglich die Ergebnisse der ersten Verhandlung – dies nimmt den gesamten Prozesstag in Anspruch. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe waren fünf der neuen Eigentumswohnungen am Grotiusweg mit Arresthypotheken in Höhe von jeweils 50.000 Euro belegt worden. Offenbar mit Erfolg: Denn vier von ihnen stehen heute noch leer.
Die Staatsanwaltschaft gründet ihren Berufungsantrag darauf, dass das Gericht den Indizien in der ersten Verhandlung nicht konsequent genug nachgegangen sei: So habe Joachim D. als Bauleiter vom Verkauf der neuen Eigentumswohnungen direkt profitieren können, heißt es. Auffällig sei auch, dass die Nachbarwohnungen von der entstandenen Sichtschneise nichts gehabt hätten.
Bei den gefällten Bäumen handelte es sich um Rot- und Stieleichen, sowie Rotbuchen, Sandbirken und eine Eberesche. Ein Gutachter hatte im Januar zu Protokoll gegeben, dass die Schnitte amateurhaft durchgeführt worden seien. Weitere 14 Zeugen und zwei Sachverständige sollen bis zur erwarteten Urteilsverkündung am 23. November angehört werden. Das Gericht hat fünf Prozesstage angesetzt.
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