Aus für Praktiker

Letzte Minuten am Rugenbarg 252 - das Wochenblatt war dabei

- Christiane Handke, Lurup - 20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung. Ein Spruch, den jeder kannte und der ab sofort zur Vergangenheit gehört. Das Unternehmen, das mit diesen Worten warb, ist pleite. Die Praktiker AG befindet sich seit Anfang Oktober in Insolvenz. Der Großbaumarkt im Rugenbarg 252 mit einer Verkaufsfläche von 12.500 Quadratmeter hat am Sonnabend endgültig dicht gemacht.
Die Öffnungszeiten: 8 bis 20 Uhr. Aber am vergangenen Sonnabend war alles anders. Es ist 11.30 Uhr am letzten Tag in der Geschichte des Praktiker-Markts am Rugenbarg. Drei Autos parken auf dem Großparkplatz. Ein weiteres rollt heran. Ein Ehepaar steigt aus, schaut sich verunsichert um: So wenig Betrieb an einem Sonnabend?
Langsam gehen die beiden auf den Eingang zu. Drei Mitarbeiter in knallgelben Praktiker-Sweatshirts stehen davor und rauchen. Winken ab: „Nichts mehr da. Es ist geschlossen. Der ganze Konzern!“ Das Ehepaar guckt betreten, trollt sich. Und bekommt hinterhergerufen: „Gehen Sie zu Bahr, an der Ecke da drüben. Der ist auf. Noch.“ Sie grinsen. Jeder weiß: Max Bahr gehört zum Praktiker-Konzern. Und auch für die meisten Bahr-Filialen siehts schlecht aus. Die am Rugenbarg 103 hat jedenfalls noch keinen Retter gefunden.
Die drei treten die Kippen aus und machen sich an die Aufräumarbeiten: Alle Einkaufswagen werden aus ihren Unterständen geholt und im Eingangsbereich des Marktes eingeschlossen. Hunderte von Wagen stehen schon dort, ordentlich ineinander geschoben. In den Unterständen auf dem Parkplatz nur noch trockenes Laub und alte Pappkartons.
Müssen die Mitarbeiter heute trotzdem noch bis 20 Uhr durcharbeiten? „Nein“, sagt einer. „Wir räumen fertig auf und dann gehen wir.“ Und dann? „Dann ist Wochenende“. Und dann? „Dann sehen wir weiter.“ Wie fühlt sich das? „Gefühle? Das ist vorbei.“
59 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz am Rugenbarg. Manche sind, als Praktiker vor genau 13 Jahren eröffnete, extra nach Hamburg gezogen, waren von Anfang an dabei. Jetzt sind sie wieder die ersten: die ersten Opfer im gnadenlosen Verdrängungskampf der Baumärkte.
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