Als Kind ganz allein in Accra

Gabriel Salisu aus Ghana wird von der Anwältin Insa Graefe von der kirchlichen Flüchtlings-Hilfsstelle fluchtpunkt unterstützt. (Foto: jve)

Ghanaer Gabriel Salisu kämpft um eine neue Heimat in Hamburg - sein Traum: ein eigenes Zimmer

Von Julia Vellguth

Gabriel Salisu mag nicht über seine Vergangenheit reden. Der 24-jährige Flüchtling, der seit drei Jahren in Hamburg lebt, wünscht sich nichts mehr als einen normalen Alltag. Der erste Schritt ist endlich gelungen - seine neue Arbeitsstelle.
Gabriel wuchs im ghanaischen Accra bei seiner Mutter auf, die früh starb. Nach dem Tod seiner Großmutter hatte er niemanden mehr. Als Jugendlicher ging Gabriel dann zum Arbeiten nach Libyen, doch nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs wurden er und Hunderte andere Afrikaner gezwungen, mit dem Boot nach Italien auszureisen. Nach über einem Jahr schaffte er es von dort nach Hamburg, wo er sich der Flüchtlingsgruppe „Lampedusa in Hamburg“ anschloss.
In Hamburg erlebte Gabriel zum ersten Mal eine große Solidarität für Flüchtlinge. Als Rechtsberaterin wurde ihm die Anwältin Insa Graefe von der kirchlichen Hilfsstelle „fluchtpunkt“ zur Seite gestellt. „Fluchtpunkt ist meine Familie“, sagt Gabriel, der seit zehn Monaten Deutsch lernt. Wie seine Mitstreiter der Lampedusa-Gruppe hat er inzwischen eine Duldung in Hamburg erhalten, die Aufenthaltserlaubnis ist beantragt. „Das Verfahren ist eine Riesenchance“, meint Insa Graefe, denn so müssen die Flüchtlinge nicht zurück nach Italien gehen.

Gabriel liebt das Fußballspielen sehr
Richtig angekommen ist Gabriel trotzdem noch nicht. Seit einem Jahr lebt er in der Sülldorfer Flüchtlingsunterkunft Sieversstücken, doch hier hält er sich nur zum Schlafen auf, denn es ist laut und bietet keine Privatsphäre. Helga Rodenbeck, für Gabriel „Mrs. Helga“, vom Runden Tisch Blankenese besorgte ihm einen Deutschkurs und stellte den Kontakt zu einer Fußballmannschaft her. Die 3. Herrenmannschaft der SV Blankenese besteht zum Großteil aus Flüchtlingen. Denn Gabriel liebt das Fußballspielen, doch er kann jetzt nicht mehr mittrainieren: Im Dezember trat er seinen ersten Job als Lagerhelfer im Schanzenviertel an. Er arbeitet in der Spätschicht und ist froh, abends todmüde ins Bett zu fallen.
Hamburg bezeichnet Gabriel inzwischen als seine Heimat. „Die Leute sind sehr freundlich“, sagt er. Er wünscht sich jetzt ein Zimmer zur Miete, außerdem braucht er einen weiteren Deutschkurs. Wer helfen möchte, kann sich an fluchtpunkt wenden unter Telefon 43 25 00 80.
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