Zwischen Hochkamp und Born

Eine heiß begehrte und entsprechend teure Wohnlage: Im Kern von Alt-Osdorf stehen Fachwerk und Bauernhaus Seit' an Seit'. Foto: rs
 
Ein warmes Willkommen: Gehäkelte Köpfe begrüßen die Besucher von Alt-Osdorf. Foto: rs

Kontrastreich: Osdorf besteht aus vier „Stadtteilen“

Von Folke Havekost. Alt-Osdorf präsentiert sich auch bei kühlen Temperaturen von einer warmen Seite. Gehäkelte Köpfe sind über die Poller auf dem Gehweg zwischen Langelohstraße und Tönninger Weg gezogen – als wären die standardisierten Parkbremsen individuelle Charakterdarsteller, die vom anliegenden Filmcatering-Service „Moviemampf“ mit Nahrung versorgt würden.
Nicht nur an dieser Ecke zeigt Osdorf mit seinen 25.901 Einwohnern viele Gesichter. „Es gibt Prachtvillen, reetgedeckte Katen zwischen Einfamilienhäusern und Plattenbauten. Es gibt Superreiche, soliden Mittelstand und Hartz-IV-Empfänger“, skizzierte das „Hamburger Abendblatt „2012. „Osdorf besteht aus vier Stadtteilen“, erklärt Gerhard Jarms und zählt auf: das ehemalige Bauerndorf Alt-Osdorf, Osdorf-Mitte als Hinterlassenschaft des Reichsheimstättenwerks, die Villensiedlung am Hochkamp und die ab 1967 entstandene Großsiedlung Osdorfer Born mit ihren Wolkenkratzern.

Hausweiden der Höfe wurden Bauland


„Der Generationenwechsel hat voll eingesetzt, es werden wieder mehr Kinder, die hier leben“, beobachtet Jarms: „Zum Glück haben wir es geschafft, allerhand Schulen in Osdorf zu erhalten.“ Der Zoologe im Ruhestand (Spezialgebiet: Nesseltiere) ist seit 15 Jahren Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins. Er ist mitten in Osdorf am Rugenbarg zur Schule gegangen, hat 1968 die 700-Jahr-Feier des Stadtteils erlebt und bereitet nun das 750-jährige Jubiläum in anderthalb Jahren vor. Sein Bürgerverein residiert im Heidbarghof, den Johann Hinrich von Appen 1842 zu seiner heutigen Form ausgebaut hat, als Osdorf noch vom Dänenkönig Christian VIII. regiert wurde. Im Besitz einer Stiftung dient er inzwischen als Kulturzentrum, in dem Chöre singen und vor allem Folk- und Bluesbands auftreten.

Neue Eigentumswohnungen am Rugenpark

Hinter dem Heidbarghof liegen gelb gestrichene Flachdachhäuser, die hier sofort ins Auge fallen. Sie sind eine Ausnahme in Alt-Osdorf, das vom Spitzdach geprägt ist und noch viele alte Bauernkaten aufweist, die heute einem anderen Zweck dienen. Der Supermarkt am Rugenbarg ist genauso ein alter Bauernhof wie der Weinhandel in der Osdorfer Landstraße, auch Lampen oder Reitsportartikel werden in alten Katen angeboten, oft mit Pflastersteinen davor. „Alt-Osdorf ist aus einem Bauerndorf entstanden“, erzählt Jarms: „In den 1960er-Jahren wurde damit begonnen, die Hausweiden der großen Höfe zu bebauen. Heute wollen viele hierher, aber es gibt keinen Wohnraum.“
Wo die Straßen Rugenbarg und Rugenfeld sich treffen, ist allerdings gerade Nachschub entstanden: Die Gesa-Bau hat unter dem Rubrum „Rugenpark“ 30 Reihenhäuser mit Spitzdach, 13 flache Stadthäuser sowie Penthäuser und Apartements gebaut, alles Eigentum, alles längst bezogen. Gegenüber errichtet Breyer & Seck-Bau gerade ein Mehrfamilienhaus für sechs Parteien.
Die Miete in Osdorf liegt mit 12,49 Euro pro Quadratmeter im Hamburger Durchschnitt, auch bestehende Eigentumswohnungen befinden sich mit etwa 2.800 Euro Quadratmeterpreis in mittlerer Lage. Heiß begehrt sind die teilweise noch mit Reet bedeckten Häuser, die den dörflichen Kern von Alt-Osdorf prägen. „In Osdorf überwiegen gute und mittlere Wohnlagen. Einfamilien- oder Doppelhäuser aus dem Bestand mit normaler Ausstattung werden zurzeit im Schnitt für 4.556 Euro pro Quadratmeter zum Kauf angeboten“, taxiert der Immobilien-Kompass der Zeitschrift Capital.

„Jede Woche kommt hier ein Makler vorbei“

„Die Lage hier ist sehr attraktiv. Jede Woche kommt hier ein Makler vorbei und will ein Haus kaufen“, erzählt Gerd Werner Kaßner, der im Südosten des Stadtteils wohnt. Der Rentner engagiert sich in der Gemeinde der St. Simeon-Kir-che, die auf der ehemaligen Hausweide des Heidbarghofs errichtet wurde. Er schätzt an Osdorf die kleinen und auch grünen Wege. „Es gibt mit dem kleinen Einkaufszentrum am Rugenbarg und dem großen Elbe-Einkaufszentrum gute Einkaufsmöglichkeiten.“
Zum Elbe-Einkaufszentrum führt ein Fußweg, der an vielen Reihenhäusern entlang durch die Schreberkolonie am Tulpenweg verläuft: Viel Grün, am Horizont die Hochhäuser des modernen Osdorf. Wer nicht durch die Gärten wandern will, besucht den Rugenbarg, wo Rewe, Budni, Sparkasse, Apotheke und eine Reinigung vertreten sind – sowie das Café Bohne, das neben einem reetgedeckten China-Restaurant Kaffee und Kuchen anbietet, auch Sojamilch bereithält und in dessen Fenster Faltblätter über Speichelanalyse und Traumatherapie informieren. Ein Hauch von Ottensen weht über dem Cappuccino.
Dass die Osdorfer nicht so einfach mit allem einverstanden sind – wie etwa mit den vieldiskutierten neuen Fahrradstreifen auf dem Rugenfeld – bewiesen sie schon vor knapp neun Jahrzehnten, wenn es am Lauf der Geschichte auch nichts geändert hat. „Als die Elbvororte 1927 nach Altona eingemeindet wurden, fehlte auf der Urkunde die Unterschrift aus Osdorf“, erzählt Jarms: „Unser Vogt hat sich einfach geweigert.“

Osdorf

Der TuS Osdorf ist momentan der ganze Stolz des Stadtteils: Die Fußballer sind erstmals in ihrer Vereinsgeschichte in die Oberliga Hamburg aufgestiegen – nun steht am 14. August das West-Derby beim großen Nachbar Altona 93 auf dem Spielpan.
Aber es gibt nicht nur Fußball zwischen Hochkamp und Osdorfer Born: Der Bürger- und Heimatverein hat alle Vereine und Institutionen in der Broschüre „Willkommen in Osdorf“ zusammengefasst, die unter folgendem Link heruntergeladen werden kann: ❱❱www.buergerverein-osdorf.de/osdorf/
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