„Von Männern wird man belächelt“

Trainerin Carmen Paulsen (oben, Mi.) gibt letzte Anweisungen. (Foto: put)

Im Rissener Sportverein spielen Mädchen und Frauen in acht Mannschaften Fußball

Nathalie Puttfarken, Rissen - Sonntagmorgen, 8.15 Uhr, ein Grad Celsius. Auf dem eingefrorenen Grandplatz am Iserbarg liegt noch der Raureif der vergangenen Nacht. Die Sonne erhebt sich allmählich am blauen Himmel. Die Spielerinnen der Fußballmannschaft des Rissener Sportvereins (RSV) sind froh, dass das Wetter mitmacht. Die erst im August dieses Jahres gegründete Frauenmannschaft des RSV spielt heute in der Kreisliga.
Die 18 Mädchen und Frauen haben unterschiedliche Spielerfahrung. Einige haben im August das erste Mal auf dem Platz gestanden. Andere spielen schon seit ihrer Kindheit. Britta Niemann (43), die als Elfjährige für den TSV Bredstedt und später in Passau gespielt hat: „Seit ich laufen kann, habe ich schon gegen einen Ball getreten. Fußball ist einfach das Beste.“
Nina Plagge (16), die vor fünf Jahren aus Amerika nach Hamburg gezogen und jüngst von Komet Blankenese zum RSV gewechselt ist: „Mein Bruder hat früher viel mit mir Fußball gespielt. Er war so fies, dass ich unbedingt besser werden wollte als er.“ Warum sie den Verein gewechselt hat? „Die Stimmung in der Mannschaft hier ist einfach super.“

Allein in Hamburg spielen 200 Mädchenmannschaften

Aber es war nicht einfach, eine Frauenmannschaft zu finden: Obwohl es inzwischen 200 Mädchenmannschaften in Hamburg gibt, von denen acht zum RSV gehören, ist Frauenfußball noch immer nicht selbstverständlich.
Nina, die in die elften Klasse der Internationalen Schule geht, erzählt: „Die Jungs finden es lustig. Die können nicht glauben, dass Frauen richtig Fußball spielen können.“ Ob Frauen rücksichtsvoller oder vorsichtiger spielen? „Nö. Wenn ich den Ball haben will, dann hole ich ihn mir“, so Tiffany Schrick (25), Mittelfeldspielerin.
Michaela Gagliamo (37), die über ihre zehnjährige fußballspielende Tochter dazu
gekommen ist, bestätigt: „Ich hab schon so häufig auf der Schnauze gelegen. Von Männern wird man aber manchmal belächelt.“
Das kennt Britta Niemann nicht: „Ich hab früher schon immer mit Jungs gespielt und hatte einen ordentlichen Schuss – da hatten die schnell Respekt.“
Verglichen mit früher, sagt sie, werde Frauenfußball aber inzwischen besser anerkannt: „Bei der ersten Europameisterschaft der Frauen im Jahr 1984 gab es als Preis ein Kaffeeservice, heutzutage gibt’s immerhin ein paar Tausend Euro.“
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