Skizzen aus dem Schanzen-Alltag

Über die Schulter geschaut: Comic-Zeichner Jens Natter bei der Arbeit an seinem neuen Buch mit den Schanzencomics. Foto: Stahlpress medienbüro

Zeichner Jens Natter bringt seine Comics aus
dem Elbe Wochenblatt als Buch heraus

Volker Stahl, Sternschanze

Jens Natter wohnt nur einen Steinwurf vom Schanzenviertel entfernt. In seinem neuen Buch skizziert der Zeichner und Cartoonist das bunte Leben im Szenestadtteil. Die Kurzcomics sind eine gelungene Mischung aus historischen Miniaturen und humorvoll aufbereiteten Alltagsepisoden.
Einmal hat er Besuch aus der Schweiz, mit dem er am Ende eines feucht-fröhlichen Kneipenbummels im Lokal „mutter“ landet („… und hier die letzte Sehenswürdigkeit“). Es ist spät in der Nacht. Plötzlich dringt ein schrilles „tatütata“ durch die Tür. „Wieder Krawall wegen des Schanzenfestes“, klärt der Wirt die Gäste auf. Dem angeschickerten Natter dämmert, was das zu bedeuten hat: „Mist, dann wird das Viertel von der Polizei wieder komplett abgeriegelt. Der Heimweg wird ewig dauern.“ Was tun? Der Gastgeber löst die Situation pragmatisch: „... wir nehmen dann noch zwei!“ Das ist der Stoff, aus dem der Zeichenkünstler seine Bildgeschichten schöpft. Die eben beschriebene, die das Leben in einem, nun ja, ansteckenden Stadtteil schrieb, heißt treffend „bei muttern“.
Lesern des Elbe Wochenblatts ist Natter als Cartoonist bekannt. Seit Anfang 2015 erscheinen seine „Schanzencomics“ monatlich in der Wochenzeitung für Eimsbüttel. In der Geschichte „Der 1. Hagenbeck“ erinnert er an die Anfänge des heute weltberühmten Zoos am Pferdemarkt, „Rumble in the Flora“ skizziert das Leben des Sinto-Boxers Johann „Rukeli“ Trollmann, und der „Zoff um den Wasserturm“ handelt vom erfolgreichen Kampf um öffentliche Räume. Nur dank der Proteste von Anwohnern ist das Areal rund um den 1910 erbauten Wasserspeicher noch heute für jedermann betretbar. An der „Schanze“ reizt Natter „die Widersprüchlichkeit des Viertels, weil gerade durch die Reibung hier der Stadtteil ein eigenes Gesicht bekommt“.
Der frühere Sozialarbeiter lebt jetzt von seiner Kunst
Seit 2006 lebt Jens Natter mit seiner Familie in Eimsbüttel, bis 2013 war der studierte Sozialpädagoge in der Kinder- und Jugendhilfe in der Lenzsiedlung tätig. Seit 2014 lebt er ausschließlich von seiner künstlerischen Tätigkeit in den Bereichen Comic, Cartoon und Karikatur. Damit ging ein Wunschtraum für den 41-Jährigen in Erfüllung, denn: „Ich bin bereits als Kind von Comics fasziniert gewesen. Ich glaube, ein Stapel alter Comichefte, an den ich irgendwie gelangt bin, war der Auslöser.“ Erst zeichnete er die Figuren ab, später weitete er seine Leidenschaft auf selbsterdachte Figuren und Handlungen aus.
„Cartoons sind Ein-Bild-Witze“, erklärt der Künstler das Genre, „je kürzer und klarer der Text in einem Cartoon ist, desto treffsicherer wird er meist auch in der Pointe.“ Jens Natter, der auch als Schnellzeichner auf Veranstaltungen tätig ist, changiert zwischen Illustration, Comics und Karikaturen, um „sich das Zeichnen spannend zu halten“. „Das führt aber manchmal auch dazu, dass ich bei den vielen Stilwechseln die einzelnen Grundregeln der jeweiligen Genres vergesse. Im positiven Fall kommt etwas Neues dabei raus, im negativen unklares Gekritzel.“
Von wegen Gekritzel – Natters mit feinem Stift gezeichnete „Ein-Bild-Witze“ und Geschichten erfreuen nicht nur das Auge, sondern kitzeln auch den Verstand.

Jens Natter: Die Schanze. Stadtteilcomics
Boyens Verlag, 80 Seiten, durchgehend farbig
12,95 Euro; das Buch
erscheint Anfang April

 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.