Schulverlegung? Selbst die Polizei ist dagegen

STS am Hafen: Schüler, Eltern und das Kölibri protestieren gegen Umzug

Ch. v. Savigny, St. Pauli

Klasse fünf bis acht nach Neustadt, Jahrgang neun und zehn nach St. Pauli: Die Stadtteilschule (STS) am Hafen möchte die Struktur ihrer Jahrgänge künftig neu organisieren und strebt einen Standortwechsel zum Schuljahr 2018/2019 an (das Wochenblatt berichtete). Doch den Schulverantwortlichen bläst jetzt ein ein kräftiger Wind ins Gesicht: Viele Anwohner und Netzwerkpartner – ja sogar Lehrer und Schüler halten von den Umzugsplänen gar nichts.
Insbesondere das Kölibri am Hein-Köllisch-Platz (GWA St. Pauli), das bereits seit rund 30 Jahren ein umfangreiches Nachmittagsprogramm für die St.-Pauli-Schüler bereithält, wäre von den Veränderungen betroffen. „Wir haben ein Modell, um das uns andere Stadtteile beneiden. Das aufs Spiel zu setzen, finde ich fahrlässig“, sagte GWA-Geschäftsführer Ralf Henningsmeyer bei einem Infoabend im Kölibri letzte Woche.
Die Stadtteilschule will sich „neu positionieren“
Hintergrund: Die Schule will ihre Jahrgänge, die sich bislang auf mehrere Standorte verteilen, an einem Ort zusammenfassen. „Wir möchten die guten Angebote, die wir haben, all unseren Schülern zugänglich machen“, sagte Schulleiterin Birgit Singh-Heinike. Gemeint sind damit etwa das bilinguale Sprachenlernen (Türkisch, Portugiesisch, Englisch) sowie der Unterricht in „Lernwerkstätten“. Außerdem fürchtet man die Konkurrenz durch neue Stadtteilschulen, die im Hamburger Westen entstehen sollen (Neue Mitte Altona, HafenCity).
Die STS am Hafen will sich „neu positionieren“, wie es so schön heißt. „Wir haben stabile Anmeldezahlen, aber nicht die Zahlen, die wir laut Schulentwicklungsplan haben sollten“, sagte Thomas von Fintel, stellvertretender Schulleiter. Laut Schulleitung liegt die Zahl der Anmeldungen für das Schuljahr 2017/18 bei 80. „Das reicht nicht, um eine stabile Oberstufe aufzubauen“, so von Fintel.
Die 2010 gegründete STS am Hafen hat derzeit vier Standorte, an denen unterrichtet wird. Einer davon, das Haus an der Struenseestraße, wird demnächst geschlossen. Über die geplante Verlegung will die Schule jetzt gemeinsam mit Schülern, Elterrat und GWA entscheiden. „Wir streben einen Dialog an, werden nichts durchdrücken“, sagte Singh-Heinike.

Stimmen zur geplanten Schulverlegung

GWA-Geschäftsführer Ralf Henningsmeyer: „Wir haben hier ein tolles Angebot mit kurzen Wegen. Das nenne ich gelebte Zusammenarbeit.“ Im Kölibri können Mädchen und Jungen täglich von 15.30 bis 19 Uhr zum Beispiel mit Holz werkeln, lesen, Comics zeichnen lernen oder sich bei den Hausaufgaben helfen lassen. Viel Anklang findet auch ein Zirkusprojekt, bei dem sich die Schüler mit Jonglieren, Balancieren und Feuer spucken beschäftigen.
Yusuf (14 Jahre, neunte Klasse), Sprecher des Schulstandorts St. Pauli: „Die meisten Schüler haben Angst vor diesen Veränderungen. Geschwister werden getrennt, die Jüngeren haben künftig einen Schulweg von 1,4 Kilometern, der über mehrere Hauptstraßen hinwegführt. Aus Schülersicht macht diese Umstellung keinen Sinn.“
Pastor Sieghard Wilm (St. Pauli Kirche): „Wir verlieren etwas, das über lange Zeit hinweg gewachsen ist. Ohne die Schüler würde uns hier mächtig was fehlen.“ Die Gemeinde befürchtet, ihr 1980 gegründetes Jugendhaus schließen zu müssen, das ebenfalls ein „niedrigschwelliges“ Nachmittagprogramm für Jugendliche anbietet.
Margot Pfeiffer, BüNaBe der Davidwache und Cop4U an der STS am Hafen: „Mit der jetzigen Schülerschaft gab es zu Anfang Probleme, die wir inwischen in den Griff bekommen haben. Durch den Umzug würde man das alles wieder zerstören. Unsere Befürchtung: Die neuen Schüler werden den Stadtteil ausprobieren wollen. Die Polizei ist gegen die Pläne der Schule.“
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