Saga gegen „Senfftöpfchen“

Eva-Maria Senff- Stachal und Jörg-Peter Senff hoffen auf den Erhalt ihrer Eckkneipe - das „Senfftöpfchen“ im Mestorfweg in Iserbrook. Foto: rs

Wohnungsunternehmen kündigt Eckkneipe in Iserbrook -
Gäste kämpfen für ihr Nachbarschaftslokal

Von Reinhard Schwarz. Es ist die sprichwörtliche kleine Kneipe von nebenan: Das „Senfftöpfchen“ am Mestorfweg in Iserbrook. Hier treffen sich schon seit fast 60 Jahren die Menschen aus der dortigen Wohnsiedlung, die nach dem Krieg entstanden ist. Doch zum 30. Juni soll Schluss sein. Die Saga/GWG hat dem Pächter, Jörg-Peter Senff (59) gekündigt. Angeblich wegen Mietschulden und Lärmbelästigung. Senff räumt ein, dass er Mietschulden hatte, die er aber weitgehend abgetragen habe: „Ich hatte mit der Saga vereinbart, dass ich 3.000 Euro auf einen Schlag bezahle und weitere 600 Euro zusammen mit der monatlichen Miete.“ Für die 3.000 Euro hatte er einen Kredit aufgenommen.
Doch dann kam die Kündigung. Senff, der die Eckkneipe seit zehn Jahren betreibt: „Wir hatten gedacht, wir sind jetzt auf der sicheren Seite.“ Laut Saga/GWG sei der „Hintergrund der Kündigung - neben einem bisweilen unzureichenden Schallschutz und einigen Mieterbeschwerden wegen Lärm - in erster Linie die seit Jahren anhaltende schlecht Zahlungsmoral der Betreiber, was ihre monatliche Miete betrifft“, erklärte Sprecher Michael Ahrens: „Die Geschäftsaussichten für einen dauerhaften und effizienten Betrieb der Gaststätte“ seien „negativ einzuschätzen“. Die Kneipe soll in eine Wohnung umgewandelt werden.
Die Gäste können die Vorwürfe wegen Lärmbelästigung nicht verstehen. „Das ist hier wie Zuhause im Wohnzimmer. Laut ist es hier mit Sicherheit nicht“, sagt Stammgast Wolfgang (63), mit deutlich bayrischem Akzent. Er hofft auf die Rettung der Kneipe: „Das ‘Senfftöpfchen’ ist ein Treff für viele Leute aus der Umgebung. Hier sind etliche Bindungen entstanden.“
Mittlerweile hat sich auch eine Initiative gebildet, die für den Erhalt des „Senfftöpfchen“ streitet: Sagamieter United. „Uns ist wichtig, dass der Kontakt untereinander erhalten bleibt“, sagt Ursula Hauptman, die seit 19 Jahren in der Mestorfweg-Siedlung lebt. „Diese Gaststätte ist die letzte in unserer Siedlung und übernimmt in einer zusehend schnelllebigen und isolierenden Welt somit eine wichtige soziale Funktion“, schreiben Sagamieter United in einem Brief an das Unternehmen.
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2 Kommentare
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Klaus Hampe aus Groß Flottbek | 17.06.2014 | 12:50  
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Timo Heuer aus Iserbrook | 19.06.2014 | 20:53  
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