Reicht Hamburgs Winternotprogramm?

Lebensgefährlich: Obdachlose, die bei klirrender Kälte unter einer Brücke schlafen. Hamburg hat sein Winternotprogramm aufgestockt, aber reicht das? Foto: panthermedia (Foto: panthermedia)

Nach dem Tod eines Obdachlosen: Debatte um ausreichend Unterkünfte und Hilfsangebote

Folke Havekost, Hamburg – Obdachlose brauchen Unterschlupf im Winter, aber die Plätze reichen offenbar nicht aus. Für begehrte Zimmer in Containern standen 140 Menschen Schlange vor der Tagesaufenthaltsstätte an der Bundesstraße, es waren aber nur 70 Schlafplätze zu vergeben. Viele Wohnungslose übernachten daher trotz Kälte und Nässe im Winter draußen. Die Folgen: Am 13. November wurde ein Obdachloser tot unter der Brücke des U-Bahnhofs Rödingsmarkt aufgefunden.
Gut 2.000 Menschen (über)leben geschätzt in Hamburg auf der Straße. Für Karl-Heinz Ruder ist das ein unhaltbarer Zustand. „Es geht hier nicht darum, einer Person mal vorübergehend etwas Schutz zukommen zu lassen, sondern es geht um fundamentale Grundrechte einer menschenwürdigen Unterbringung“, sagte der Rechtsanwalt neulich auf einer Veranstaltung der Reihe „Hamburg! Gerechte Stadt“ im Haus der kirchlichen Dienste in St. Georg.
Vor dem Haus forderte das Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot von der Stadt, für mehr und angemessenere Unterkünfte zu sorgen – nicht nur durch Notunterkünfte, sondern auch durch (sozialen) Wohnungsbau. Der städtische Vertreter auf der Diskussion räumte Schwierigkeiten ein, verwies aber auch auf die deutlich erweiterten Maßnahmen. „Vor zehn Jahren haben wir das Winternotprogramm mit 250 Plätzen gestartet, in diesem Winter sind wir mit 890 Plätzen angefangen“, sagte Michael Klahn, Amtsleiter für Soziales in der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: „In Hamburg gibt es ein differenziertes Hilfesystem, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. Wir gucken nicht einfach zu.“

Die meisten Plätze gibt es in Unterkünften in der City

Das Winternotprogramm bietet Betroffenen täglich von 17 bis 9 Uhr Unterschlupf an verschiedenen Standorten, die meisten Plätze gibt es in der Münzstraße und am Schaarsteinweg in der Innenstadt. Dass Hamburg eine Menge leistet, blieb bei der Dis-kussion unbestritten. „Aber angesichts der Probleme ist das Hilfesystem heillos unzureichend und wird in vielen Segmenten auch gedeckelt“, kritisierte Stephan Nagel von der Diakonie Hamburg: „Dabei ist es eine Frage der pragmatischen Klugheit, immer mehr verelendete Menschen in den Großstädten zu vermeiden.“
Das Elbe Wochenblatt hat Nagel um einen Gastbeitrag zum Thema gebeten. Eine gleichlautende Anfrage ließ die Sozialbehörde unbeantwortet.

Nur zwei Schlafplätze für Obdachlose
Die Diakonie Hamburg stellt in vielen evangelischen Kirchengemeinden den Winter über Wohncontainer für Obdachlose auf. Hier können sie die kalten Nächte verbringen. In den Elbvororten beteilgt sich nur die Rissener Johannis-Kirchengemeinde an dem Programm und bietet zwei Schlafplätze für Oddachlose in den kalten Winternächten an.
Die Container sind nicht zu verwechseln mit den Kirchenkaten: Diese kleinen Häuschen stehen das ganze Jahr auf den Kirchengrundstücken. In ihnen wohnen in denen ehemals obdachlose Menschen das ganze Jahr über. KI
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