Politik nur für Studierte?

Bezirksversammlung Altona: Handwerker und Arbeiter sind eine Seltenheit im Kommunalparlament. Es dominieren Rechtsanwälte, Kaufleute, Beamte und Angestellte. Foto: rs

Kaum Arbeiter oder Handwerker unter den Kandidaten zur Bezirksversammlung

Von Reinhard Schwarz. Am 25. Mai haben die Hamburger gleich zwei Mal die Qual der Wahl: Sie stimmen über das Europaparlament ab und bestimmen die sieben Bezirksversammlungen in Hamburg. Während bei der Europawahl jeder Bürger nur eine Stimme hat, können die Hamburger bei der Wahl zu den Bezirksversammlungen insgesamt zehn Kreuzchen machen und so speziell die Kandidaten wählen, die in das Regionalparlament kommen sollen.
„Du bist entscheidend“ - mit diesem Slogan wirbt Carola Veit, Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, für den Wahlgang. Doch wer steht eigentlich zur Wahl? Darüber geben die Stimmzettel kaum Auskunft. Lediglich die Parteizugehörigkeit und der Beruf werden dort genannt. Immerhin. Bei genauem Hinschauen stellt sich heraus, dass die Kandidaten der Parteien vor allem Akademiker, Beamte und Angestellte sind.
Arbeiter finden sich hingegen kaum auf den Listen. So kandidiert bei der SPD Altona weit abgeschlagen auf Listenplatz 53 ein Dreher, der vom Jahrgang her (1944) eigentlich auch schon in Rente sein
müsste. Mit Rolf Ringleb ist weiterhin ein „Berufskraftfahrer im Ruhestand“ unter den SPD-Kandidaten
Kaum anders sieht es bei der CDU aus. Hier dominieren die Kaufleute, mal als „Geschäftsführender Kaufmann“, als Bankkaufmann, als Diplom-Kaufmann, als Fachwirt oder einfach nur als Kaufmann beziehungsweise Kauffrau. Arbeiter oder Handwerker finden sich keine unter den 35 Kandidaten.
Auch bei der Linken sind Arbeiter Mangelware, dafür kandidieren von 13 Bewerbern drei Sozialarbeiter, eine Diplom-Sozialpädagogin und drei Lehrer. Ähnlich sieht es bei den Grünen aus. Auch hier bestimmen Akademiker - Lehrer, Universitätsdozenten, Physiker, Politologen und Erziehungswissenschaftler - das Kandidatenspektrum. Doch immerhin: Zwischen all den Geschäftführern und Diplom-Sozialwirten findet sich ein Pflegehelfer. Bemerkenswert: Ausgerechnet bei der FDP kandidieren neben Rechtsanwälten und Kaufleuten ein Malermeister und ein Elektriker.
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