Nicht recht, Herr Specht!

Heinz Peper hat diesen Specht bei der Arbeit in einem Hinterhof in Altona fotografiert. (Foto: Heinz Peper)

Buntspechte mögen wärmegedämmte Fassaden – das kann zum Problem werden

Carsten Vitt, Christiane Handke - Hamburg-West. Trrrrrrr tock, trrrrrr tock. Herr Specht ist da – und das lässt er alle hören. In einer Wohnanlage am Kaiser-Friedrich-Ufer geht es regelmäßig schon um 7 Uhr morgens los. In die frisch gedämmten Außenwände der Häuser zwischen Kaiser-Friedrich-Ufer und Hohe Weide hat er im Laufe der Zeit schon über 100 Löcher geklopft.
„In dieser Anlage ist das ein größeres Problem“, sagt Ditmar Baaß, Vorstand der Genossenschaft Kaifu-Nordland, der die etwa 310 Wohnungen in Eimsbüttel gehören. Was der Vogel ganz besonders schätzt: Wärmegedämmte Fassaden. Die sind mit einer relativ weichen Dämmung aus Styropor versehen. Da kann der Specht mühelos reinhacken – und ordentlich Lärm machen. Gefällt dem Vogel: mit dem Klopfen lockt er weibliche Artgenossen an.

Unterschiedlich starke Schäden in Hamburg

Spechtlöcher bereiten Vermietern hamburgweit Kopfzerbrechen. Damit Fassaden nicht noch weiter kaputt gehen, müssen die Löcher immer wieder schleunigst gestopft werden. Das kostet: in der Eimsbütteler Anlage allein im letzten Jahr 40.000 Euro.
Und in Altona? Nachgefragt beim Altonaer Spar und Bauverein altona. Silke Kok, Sprecherin des altoba sagt: „Wir haben richtig Glück gehabt. Bisher hat der Specht bei uns fast gar nicht zugeschlagen. Die Reparaturkosten für Schäden durch Spechtlöcher belaufen sich auf knapp 2.000 Euro im Jahr.“ Nicht viel, wenn man wie der altoba, 6.700 Wohnungen hat.

Toller Sound und Wärme dank Dämmung

Mehr Ärger mit dem Specht, wenn auch nicht so viel wie die Genossenschaft Kaifu-Nordland, hat der Bauverein der Elbgemeinden (BVE). Sprecher Sönke Petersen bestätigt: Gedämmte Fassaden sind für den Specht besonders attraktiv, „weil schön warm und mit super Sound versehen.“ Petersen: „Riesenprobleme haben wir damit aber nicht.“ Meistens seien nur vereinzelte Spechtlöcher zu stopfen; lediglich in den BVE-Häusern Am Landpflegeheim ist der Specht aktiver. Petersen: „Wir wissen zwar immer noch nicht, wie der Specht – im wahrsten Sinn des Wortes – tickt, aber wir haben beobachtet, dass Wärmedämmfassaden ihn nicht von ferne anlocken. Nur, wo er schon vorher in der Nähe war, wechselt er gerne ans Haus, wenn es neu gedämmt wird.“ So sei es bei den BVE-Häusern am Landpflegeheim, wo der Specht schon vorher an Bäumen gesehen wurde. Am Schenefelder Holt dagegen sei der Specht weder vor noch nach der Hausdämmung aktiv geworden. Rund 4.000 Euro zahlt der BVE, dem fast 14.000 Wohnungen in Hamburg gehören, jährlich für Specht-Reparaturen



Hilft gegen Specht
Tipps hat Marco Sommerfeld, Vogel-Experte beim Naturschutz-
bund (Nabu), parat. Werden Fassaden mit Klinker verkleidet oder die Oberflächen sehr glatt verputzt, könne sich der Specht schlecht festhalten. Der Vogel hacke oft Löcher in Hauswände, weil er dort Insekten vermute. Merkt er dann, dass das gut widerhallt, werden die Instinkte geweckt – dann macht er immer weiter. Seine kleinen Höhlen nutzt der Vogel übrigens gar nicht: Da machen es sich meist Eichhörnchen oder Meisen gemütlich.Diplombiologe Heinz Peper rät, Abhilfezu schaffen, indem man Ersatzhöhlen für den Specht aufhängt.
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1 Kommentar
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Michael den Hoet aus Bahrenfeld | 19.07.2015 | 01:39  
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