„Nicht nachvollziehbar“

„Wir werden alles tun, um aus diesem Fall zu lernen“, sagte Altonas Bezirksamtsleiterin Liane Melzer, die vom Tod des kleinen Tayler wie die Mitarbeiter des ihr unterstellten Jugendamtes „tief erschüttert“ war. Foto: cv

Untersuchung zum Tod des mit 13 Monaten verstorbenen Tayler deckt Mängel im Altonaer Jugendamt auf

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) nennt die Entscheidung „aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar“. Im Sommer 2015 hatte das Altonaer Jugendamt entschieden, den acht Monate alten Tayler zurück zu seiner Mutter zu geben, obwohl er sechs Wochen zuvor mit einem Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus eingeliefert worden war.
Nach dem Tod des Jungen am 19. Dezember 2015 ließ Bezirksamtsleiterin Liane Melzer den Fall durch die unabhängig arbeitende Jugendhilfeinspektion untersuchen. Der nun vorliegende Bericht stellt bei der ihr unterstellten Behörde „Mängel in der Fallbearbeitung“ fest.
Es seien zwar ausreichend Regelungen vorhanden, aber ihre konsequente Anwendung hätte möglicherweise zu anderen Entscheidungen geführt. Die Entscheidung, Tayler der Mutter zurückzugeben, „kam nicht unter Beachtung der dafür geltenden Regeln zustande“.
Zunächst waren sich die Mitarbeiter des Jugendamtes in einer kollegialen Beratung einig, das Kind nicht zur Mutter zurück zu geben. Die spätere Entscheidung diente dann allerdings eher der Stabilisierung der Mutter. Sie wurde ohne weitere Beratung von einem Mitarbeiter alleine getroffen.
Diese Verletzung des „Vier-Augen-Prinzips“ wird es nicht mehr geben. Melzer sagte dazu: „Ich habe angeordnet, dass zukünftig in allen Fällen von Kindeswohlgefährdung eine kollegiale Beratung erfolgen soll.“

Viele weitere Verletzungen nicht gemeldet


Die vom Jugendamt angeordnete sozialpädagogische Betreuung der Familie führte in der Praxis ebenfalls zu Problemen. Der Auftrag an den freien Träger Rauhes Haus, die Ursachen der Verletzungen zu finden und die Rückkehr zur Mutter zu begleiten, sei „nicht klar genug definiert, die Absprachen nicht verbindlich genug gewesen“, rügt der Bericht der Jugendhilfeinspektion. In der Familie waren bei Tayler in dieser Zeit Verletzungen festgestellt worden. Warum diese ihrerseits vom Freien Träger nicht an das Jugendamt gemeldet wurden, sei „nicht nachvollziehbar“.
Melzers Konsequenz daraus: „Wir überprüfen, wie wir freie Träger dichter führen und enger kontrollieren können.“
Für die Mitarbeiter des Jugendamtes wird nun einmal im Jahr eine Fortbildung im Institut für Rechtsmedizin Pflicht. „Auch die Sozialdezernentin und ich werden daran teilnehmen“, so Melzer.
Philipp Heißner, familienpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion kritisiert Leonhard und Melzer schwer: „Die Beteuerungen, nun endlich aus diesem Fall lernen zu wollen, kommen entschieden zu spät.“
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