Muss das Parken in Hamburg mehr kosten?

Bezahlen für einen Parkplatz: In einer Petition wird gefordert, dies in ganz Hamburg zur Pflicht zu machen. Foto: EW

Diskussion um Gebühren für öffentliche Parkplätze

Carsten Vitt, Hamburg

Autofahrer brauchen in Hamburg Geduld – und Kleingeld. Die Suche nach einem freien Parkplatz kann in manchen Stadtteilen schonmal eine halbe Stunde dauern. Und häufig kos-tet der Stellplatz etwas. Gebühren und Strafzettel sind immer wieder Anlass für Konflikte und Beschwerden.
Neulich bemängelte Rechnungshof-Präsident Stefan Schulz, dass Parkplätze nicht allen Autofahrern im gleichen Umfang zur Verfügung stünden. Die Lösung: Hamburg soll mehr kontrollieren und Strafzettel verteilen. Und damit soll auch mehr Geld in die Stadtkasse fließen: Laut Schulz hätte die Stadt zum Beispiel 2015 etwa 46 Millionen Euro über Parkgebühren einnehmen können, tatsächlich kassierte Hamburg aber nur 9,5 Millionen Euro. Der Rechnungshof mag aber generell nicht empfehlen, die Parkgebühren zu erhöhen.
Genau das fordert aber ein Bürger. Fabian Hanneforth hat die Online-Petition „Weniger Autos – mehr Lebensqualität“ gestartet
(❱❱ www.change.org/anwohnerparken). Er will erreichen, dass alle öffentlichen Parkplätze in der Hansestadt etwas kosten – in etwa so viel wie HVV-Tickets. Das eingenommene Geld soll unter anderem in den öffentlichen Nahverkehr oder in Park and Ride-Anlagen investiert werden.
Muss Parken überall etwas kosten? Was soll mit dem Geld passieren? Das Elbe Wochenblatt hat bei Fabian Hanneforth und dem ADAC nachgefragt.

Bürger: „Alle Parkplätze müssen etwas kosten“

Ich fordere mit meiner Petition auf change.org, dass alle öffentlichen Parkplätze in Hamburg kostenpflichtig werden. Autoparkplätze am Straßenrand sind im größten Teil der Stadt kostenlos. Nur innerhalb vom Ring 1 und in einzelnen kleinen Bereichen außerhalb müssen Parktickets für einen bis drei Euro pro Stunde gelöst werden. Anwohner können dort mit einem Anwohnerparkausweis für 30,30 Euro pro Jahr parken. Dieses System sollte auf alle verdichteten Gebiete Hamburgs ausgeweitet werden. Denn Studien in Wien und Stuttgart zeigen: Nach der Einführung von Anwohnerparken sank die Zahl der Pendlerparker um erstaunliche 86 Prozent, die Auslastung von Parkplätzen um bis zu 33 Prozent, die Zahl der Falschparker um 80 Prozent, der Verkehr insgesamt um 12 Prozent.
Das bedeutet, dass Anwohner leichter einen Platz in ihrer Straße finden. Sie müssen nicht mehr 30 Minuten suchend um den Block fahren. Letztendlich profitieren alle: Die Sicherheit im Straßenverkehr wird erhöht, Lärm reduziert, und weniger Verkehr wäre ein enormer Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in Hamburg.

Fabian Hanneforth,
für die Online-Petition auf

❱❱ www.change.org/anwohnerparken


ADAC: „Konsequent kontrollieren reicht“

In Hamburg ist der Raum für Parkplätze stark begrenzt. Das liegt nicht zuletzt an der Fehlentscheidung aus dem Jahr 2014, die Stellplatzverordnung aufzuheben. Dass die Parkgebühren in der Hansestadt innerhalb nur eines Jahres gleich zwei Mal angehoben wurden, ist aus Sicht des ADAC nicht akzeptabel.
Es ist wichtig, den Parkraum konsequent zu überwachen. Häufig wenden sich Mitglieder mit Beschwerden an uns, dass sie die einzigen waren, die ein Parkticket gezogen haben. Nur mit regelmäßigen Kontrollen kann die Zahlungsmoral gesteigert werden. Die Einnahmen aus den Parkgebühren sollten dabei direkt in die Verbesserung des Parkraummanagements investiert werden.
Wer illegal parkt, beispielsweise in zweiter Reihe oder auf Fahrradstreifen, stellt eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar. Auch in diesen Fällen muss konsequent kontrolliert werden.
Sollte der Parkdruck in einem Wohngebiet stark steigen, kann ein sogenanntes Anwohnerparken für Entspannung sorgen. Dies ist jedoch auch mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden und muss im Einzelfall auf seine Sinnhaftigkeit geprüft werden.

Hans Duschl,
Pressereferent ADAC Hansa
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3 Kommentare
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Gerhard Graw aus St. Pauli | 05.03.2017 | 18:43  
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Kai Dirksen aus Eimsbüttel | 06.03.2017 | 15:53  
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Nico Riander aus Eimsbüttel | 08.03.2017 | 09:53  
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