„Miteinander agieren“

Trotz Stromausfall und Dauerregen: Kiddo Kat rockte das Publikum bei der Altonale 2016. Foto: Lidija Delovska
 

Kiddo Kat steht am 6. November im Knust bei Ladies.Artists.Friends auf der Bühne

M. Greulich, Hamburg
Kurz bevor Prince starb, sang Kiddo Kat eine akustische Version von „Kiss“ in einer S-Bahn in Frankfurt. Das davon gedrehte Video erreichte bei Youtube sensationelle Zugriffszahlen. Mehr als 80 Millionen Nutzer sahen den Clip in anderthalb Jahren. Ein Interview.

Kiddo Kat, was hast du heute gemacht?
Kiddo Kat: Straßenmusik an der Osterstraße. Es ist entspannter als an der Mönckebergstraße, wo ich auch mal singe. Dort haben alle ein Ziel, wo sie schnell hinmüssen. In Eimsbüttel sind viele Mütter unterwegs. Ein entspannter „Biokiez“. Da wirke ich vielleicht wie ein Alien, aber man kommt nach drei, vier Liedern ins Gespräch mit den Leuten. Vorhin haben zwei Frauen nacheinander zu mir gesagt: „Heute hatte ich einen Scheißtag, aber du hast ihn mir gerettet.“

Du bist ursprünglich Berlinerin. Sind die Reaktionen dort anders?
Sehr. In Berlin kommst du gleich mit den Leuten ins Quatschen. Hier brauchen sie etwas länger, aber dann ist der Kontakt ehrlicher. Ich mag dieses Norddeutsche lieber und fühle mich nach vier Jahren in Eimsbüttel als Hamburgerin.
Sind diese unmittelbaren Reaktionen auf der Straße mit Youtube vergleichbar, wo du auf dein Video von „Kiss“ viele Reaktionen bekommen hast?
Absolut. Auch nach anderthalb Jahren bekomme ich immer noch Nachrichten von überall her.

Kannst du seitdem von der Musik leben?
Ja, aber schon vor dem Video, durch „Kiss“ wurde allerdings der Konzertveranstalter Karsten Jahnke auf mich aufmerksam, der jetzt die Touren für mich organiert. Dadurch spiele ich in ganz Deutschland in größeren Clubs, in die mich sonst nicht gebucht hätten. Und im kommenden Jahr erscheint mein erstes Album, das ich mit Patrik Majer, der Wir sind Helden produziert hat, in Berlin aufgenommen habe.

Der Erfolg über Nacht hat dich auch in der Talkshow von Markus Lanz gebracht. Wie war es dort?
Da war ich wie auf Naturdroge. Das ist im Nachhinein seltsam anzuschauen. Und wenn ich daran denke, wie ich in dem Video rumlaufe denke ich, dass ich darauf besser lieber besser vorbereitet gewesen wäre.
Viele in der Nachbarschaft erinnern sich noch an deinem Auftritt auf der Altonale 2016.
Es hatte angefangen zu regnen. Meine Band und ich waren alle klatschnass. 15 Minuten lang fiel der Strom aus. Das überbrück’ mal ohne Mikro. Ich habe dann Flyer verteilt. Es war großartig: One day to remember.

Am 6. November stehst du im Knust bei „Ladies-Artists-Friends“ auf der Bühne. Warum machst du mit?
Wir stehen alle mit derselben Band auf der Bühne. Die Idee dahinter ist, dass wir miteinander statt gegeneinander agieren. Weil ich die Idee dahinter schön finde: 10 Absolute Power-Ladies unterstützen sich gegenseitig und stellen zusammen ein Konzert das unter dem Leitfaden: "Miteinander statt gegeneinander" steht. Das finde ich stark und unterstützenswert!

Also das genaue Gegenteil von Castingshows.
Genau. Und es ist musikübergreifend aus den Bereichen Jazz, Songwriter, Soul, Hip-Hop und Elektro. Es ist wichtig, dass wir etwas gemeinsam auf die Beine stellen, denn man muss sich im Musikbusiness auch durchaus permanent gegen die Typen beweisen.

Haben viele Männer im Musikgeschäft versucht, dir zu sagen wo es lang geht?

Die Versuche gab es. Aber die positiven Erfahrungen überwiegen.

Konzert:

Ladies.Artists.Friends mit Poems For Jamiro, Sophie Sky, Kiddo Kat, Lunartree, Gwen, Miu, Joscheba, Deine Cousine und Debby Smith
Montag, 6. November, 21 Uhr, Knust, Neuer Kamp 30, Eintritt 14 Euro.
Hintergrund: Vor einem Jahr schloss sich eine Gruppe von freischaffenden Hamburger Kü̈nstlerinnen zusammen und gründet einen „Sä̈ngerstammtisch“ zur gegenseitigen Unterstü̈tzung. Alle eint, dass sie seit Jahren in der Szene aktiv sind, ihre eigenen Projekte voranbringen, unabhängig ihre Frau stehen, Songs schreiben und ausgebildete Musikerinnen sind. So entstand die Idee, ein gemeinsames Konzert auf die Beine zu stellen. Im März startete die Reihe, die nun fortgesetzt wird.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.