Mit einer Kanone Raser jagen

Augen zukneifen und ganz genau hinsehen: Ein Beamter erklärt Marten, wie die Lasermessung funktioniert. (Foto: tischler)

Baron-Voght-Straße: Marten und Johanna beschwerten sich bei der Polizei
über Raser – und durften mit der Laserkanone Temposünder fangen

Markus Tischler, Elbvororte - In seinen 31 Jahren bei der Polizei hat Michael Allers schon vieles erlebt. Doch diese Aktion hat den erfahrenen Beamten überrascht – und zwar angenehm. Der zehnjährige Marten und seine ein Jahr jüngere Freundin Johanna hatten einer Peterwagenbesatzung zwei mit 102 Unterschriften versehene Pappschilder überreicht. Es ging um Raser in der Tempo-30-Zone im Bereich der Kreuzung Baron-Voght-Straße und Jürgensallee. Als Dankeschön hatte das PK 26 den beiden Schülern angeboten, einmal selbst bei einer Lasermessung vor Ort teilnehmen zu dürfen.
Einen Tag nach der Übergabe fand Allers, Leiter Prävention und Verkehr am Polizeikommissariat 26, die zwei Schilder in seinem Büro vor. „Ich finde diese Idee sensationell. Denn die Kreuzung ist auch Schulweg“, schwärmt er heute noch von der ungewöhnlichen Aktion.
Tempo 30: Berliner fährt mit 51 Stundenkilomtern
Am vergangenen Donnerstag löste die Polizei ihr Versprechen ein und lud die beiden Schüler zu einer exklusiven Lasermessung ein. Dabei bekamen Marten und Johanna erklärt, wie eine so genannte „Laserpistole“ funktioniert.
„Wir hören abends bei offenem Fenster oft, wie hier noch Gas gegeben wird“, erzählt Marten über den Grund für die Aktion. Er wohnt mit seinen Eltern direkt an der Baron-Vogth-Straße. Und jener Abschnitt ist als 30-Kilometer-Zone ausgewiesen. Zuerst habe er mit Johanna Schilder bemalt. „Da stand dann: ‚Bitte 30 km/h fahren`. Aber einer, der das gelesen hat, hat dann extra noch Gas gegeben.“
Tatsächlich hat es im ersten Halbjahr 2015 aber nur drei Unfälle gegeben, bei denen es lediglich zu Blechschäden kam, erklärte Allers während der Kontrolle. Die Messungen ergaben dann sechs Geschwindigkeitsüberschreitungen im Verwarngeldbereich, wie Allers tags darauf erklärte. „Spitzenreiter war ein Pkw aus Berlin mit gemessenen 51 Stundenkilometern brutto.“ Da wären 80 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig. „Da die Polizei jedoch drei Stundenkilometer Toleranz abziehen muss, landete der Fahrer mit 48 Stundenkilometer netto im Verwarngeldbereich.“ Womöglich wird die
Baron-Voght-Straße erst in den Abendstunden zur Rennstrecke. Doch das schmälert nicht die Anerkennung der Aktion von Marten und Johanna. „Wir nehmen die Kleinen ernst“, betont Allers.
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