Kaffee und Brote zum Überleben

Kaum hält der Mitternachtsbus, bildet sich eine dichte Menschentraube vor der Bustür.

Der Mitternachtsbus rollt an 365 Abenden im Jahr durch Hamburg und versorgt Obdachlose mit gespendetem Essen und warmen Getränken

Hamburg – Es ist Sonntagabend, kurz nach 20 Uhr. Gut 60 Menschen drängeln sich vor den hellerleuchteten Schaufenstern vor Saturn. Doch sie schauen sich nicht die Handys oder Kameras in der Auslage an. Sie warten sehnlichst auf den Mitternachtsbus der Hamburger Diakonie, der gleich hier halten wird. Es sind Obdachlose, die von den Ehrenamtlichen im Bus mit Essen und warmen Getränken versorgt werden.
Vorsichtig rollt der dunkelgrüne Mitternachtsbus in die Haltestellenbucht. Kaum ist der Motor ausgestellt, drängt sich der Menschenpulk an die Kante des Bürgersteiges. Jeder will der Erste bei der Essensausgabe sein. Einer wird von seinem Kumpel zurückgerissen, so dass er nicht vor den Bus fällt. Doch bevor es los geht, schauen sich die Ehrenamtlichen Helga, Matthias und Silvio kurz mit prüfendem Blick im Bus um und nicken sich aufmunternd zu. Dann stellt sich jeder aus dem eingespielten Team an seinen „Arbeitsplatz“.
Während Helga links neben den drei Zehn-Liter-Behältern mit heißem Wasser einen Plastikbecher greift, öffnen Silvio und Matthias die Seiten- und Hintertür des Kleinbusses. Die Menschenmenge schiebt sich noch wenige Zentimeter näher an die Seitentür heran, und der Erste fragt nach: „Na, was habt ihr denn heute?“ „Brote mit Käse und Wurst. Was soll´s denn sein?“, antwortet Matthias.

„Da werde ich demütig“, sagt ein Ehrenamtlicher

Vor Fahrtbeginn haben die Ehrenamtlichen in der Küche des „Hauptquartieres“ eine gute Stunde lang Brote beschmiert und Käse oder Wurst drauf gepackt. „Jeden Sonntag schmiert das jeweilige Team erst einmal Brote, denn die Geschäfte haben zu. Da bekommen wir keine Spenden vom Bäcker“, erklärt Matthias. Die Sachen wurden am Donnerstag zuvor beim Discounter aus Spendenmitteln gekauft.
Während der Essensausgabe soll es gerecht zugehen. Jeder bekommt etwas. „Wir halten die Augen auf, damit kein Futterneid entsteht“, sagt Silvio.
Nach einer guten halben Stunde geht es weiter. Die drei Ehrenamtlichen schließen die Bustüren, machen sich durch die Innenstadt auf den Weg.
Sie kennen die Schlafplätze der Obdachlosen in den unbeleuchteten Ecken der Glamourstadt Hamburg genau.
Um 22 Uhr geht es zurück zur Bahnhofsmission, wo – nach Geschäftsschluss der Läden im Bahnhof – die nächste Spende abgeholt werden kann, bevor es zu den Treffpunkten der Obdachlosen nach Altona geht. „Wir haben vier Grad. Das ist Ponyhof-Romantik. Bei minus acht Grad ist das schon was anderes“, weiß Matthias. „Wir sind eine Notversorgung.“ Fünf bis sechs Decken hat das Team jede Nacht zum Verteilen dabei.
Gegen 0.30 Uhr hat das Team die Tour beendet, den Bus sauber gemacht und die Ausrüstung ins Büro gebracht. „Wenn es kalt ist, und ich mich zu Hause ins warme Bett lege und mich zudecke, denke ich: Gott, hab ich´s gut! Da werde ich richtig demütig!“, sagt Matthias.

Ein Lichtblick in der kalten Stadt

Über 2.000 Menschen – die Zahl kann nur geschätzt werden – schlafen in Hamburg auf der Straße, auch an Wintertagen. Der Mitternachtsbus bringt seit 1996 Hilfe vor Ort. Jeden Abend – auch sonn - und feiertags – fährt ein Team von ehrenamtlichen Helfern von 20 bis 24 Uhr durch die Innenstadt. An Bord sind Kaffee, Tee, Kakao, Brühe, Brötchen, Kuchen, Decken und Schlafsäcke. Bis zu 150 obdachlose Menschen werden so bei jeder Tour erreicht.
Der Leitgedanke „Kein Mensch soll auf Hamburgs Straßen erfrieren" prägt die Arbeit. Neben der Grundversorgung geht es vor allem um den Kontakt und die Zuwendung zu den Menschen, die in der Öffentlichkeit leben, mit denen aber kaum jemend spricht.
Das Bus-Team informiert auch über weitere Hifsangebote, wie beispielsweise das warme Mittagessen und die ärztliche Sprechstunde im Diakonie-Zentrum für Wohnungslose. KI

Der Mitternachtsbus wird ausschließlich aus Spenden finanziert. Rund 120.000
Euro werden dafür pro Jahr gebraucht.
Kontakt: Tel. 30 62 02 61
Spenden an: Diakonisches Werk Hamburg, Konto-IBAN:
DE 65 520 604 100 111 222 333, Stichwort: „Spende Mitternachtsbus“
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