Integration: Hier gibt es Probleme

Im Interview: Harald Lübkert von der Bürgerinitiative für Lurup, Osdorf und Bahrenfeld

Carsten Vitt, Hamburg-West
Rund um die Trabrennbahn wohnen in vier Unterkünften gut 2.000 Flüchtlinge – die Initiative Lurup, Osdorf, Bahrenfeld (LOB) bemüht sich um Verbesserungen, wie zum Beispiel Einzelzimmer für die Bewohner des Containerdorfs an der Luruper Hauptstraße (das Elbe Wochenblatt berichtete). Über Fortschritte und Dauerprobleme sprach das Elbe Wochenblatt mit Harald Lübkert, Sprecher der Initiative.

Elbe Wochenblatt: Hat sich beim Thema Versorgung mit drahtlosem Internetzugang in der Luruper Hauptstraße etwas getan? Harald Lübkert: Dieses Thema ist einfach nur peinlich. Im Juli 2016 wurde vereinbart, alle Wohnräume mit WLAN zu versorgen. Vor neun Monaten wurde vereinbart, vordringlich die Gemeinschaftsräume anzuschließen. Es gibt einen mit Computern ausgestatteten Gemeinschaftsraum, ehrenamtliche Betreuer, aber keinen Anschluss zur Außenwelt. Wer da etwas wie plant, ist ein Rätsel. Termine mag ich nicht mehr nennen.

EW: Geflüchtete bleiben in großen Unterkünften häufig unter sich – gibt es da Lösungen? Lübkert: Das bleibt schwierig, denn dort, wo viele Geflüchtete zusammen untergebracht sind, werden die Hindernisse für eine erfolgreiche Integration sichtbar. Es gibt Probleme bei der Beschulung oder bei Kindergärten – entweder lange Wege oder die geflüchteten Kinder bleiben weitgehend unter sich, so auch bei den über 2.000 Flüchtlingen rund um die Bahrenfelder Trabrennbahn mit einer Kita in der Flüchtlingsunterkunft am Albert-Einstein-Ring.

EW: Was muss sich ändern?
Lübkert: Es braucht mehr Kontakte und Begegnungen. Kirchen, Vereine und Ehrenamtliche bemühen sich und leisten viel, aber hier gibt es keine Eins-zu-eins-Betreuung der Flüchtlinge durch ehrenamtliche Helfer wie zum Beispiel in Harvestehude oder bald in Eppendorf. Deshalb haben sich unsere Initiative und „Hamburg für gute Integration“ von Anfang an für kleinere Unterkünfte und für größere Abstände zwischen ihnen eingesetzt.

EW: Sie kritisieren eine schwindende Kooperationsbereitschaft beim Zentralen Koordinierungsstab Flüchtlinge – woran zeigt sich das?
Lübkert: Im Bürgervertrag sind Transparenz und regelmäßiger Austausch vereinbart. 2016 klappte es gut, aber in letzter Zeit wurden wir und andere Beteiligte erst sehr spät informiert. Zum Beispiel, als es um die zusätzliche Unterbringung von Studenten ging oder um die Einrichtung einer Kita in der Folgeunterkunft am Albert-Einstein-Ring. In der letzten Woche gab es allerdings Anzeichen der Besserung.

EW: Warum ist es so schwierig mit Absprachen?
Lübkert: Ich kann nur vermuten, woran es liegt. Vielleicht gibt es eine gewisse Müdigkeit, immer wieder auf Probleme und Hindernisse hingewiesen zu werden. Vielleicht gibt es auch in den Behörden eine lange Übung darin, Dinge am Schreibtisch durchzuplanen und Beteiligte erst dann einzubeziehen, wenn die wesentlichen Entscheidungen gefallen sind. Das Planen ist dann einfacher, die Verärgerung auf der anderen Seite aber größer.



Bürgerverträge

Im Frühjahr 2016 gründeten sich in mehreren Stadtteilen Bürgerinitiativen gegen Großunterkünfte für Geflüchtete. Kernforderungen: viele kleine Wohnstätten in den Stadtteilen, maximal 300 Menschen in einer Unterkunft und mehr Bemühungen um Integration. Angesichts eines drohenden Volksentscheids schloss die rot-grüne Koalition in der Bürgerschaft im Sommer 2016 lokale Bürgerverträge mit den Initiativen ab – auch mit der Initiative aus Lurup, Osdorf, Bahrenfeld (LOB). Darin ist unter anderem vereinbart, mehrere Unterkünfte bis 2019 zu verkleinern.Aktuell verhandelt LOB mit der Stadt darüber, dass Bewohner in der Luruper Hauptstraße Einzelzimmer bekommen. Die Wohnstandards dort sind sehr einfach, bisher teilen sich zwei Menschen einen 10,6-Quadratmeter-Container.
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