Im Schneckentempo zum 10-Minuten-Takt

Rolf Gebel (Foto), Pensionär aus Rissen: „Ich nutze mein Theater- abonnement und fahre mit der S-Bahn. Die Einführung eines generellen 10-Minuten-Takts zwischen Wedel und Blankenese fände ich gut.“ (Foto: rs)

Politik will mehr S-Bahn-Züge zwischen Blankenese und Wedel

Reinhard Schwarz, Elbvororte - Abgehängt: Wer in Iserbrook, Sülldorf, Rissen oder gar hinter der Landesgrenze in Wedel lebt und auf die S-Bahn angewiesen ist, muss sich recht häufig in Geduld üben. Denn ab circa 10 Uhr morgens fahren die S-Bahnen bis etwa 15 Uhr nur alle 20 Minuten. Im Feierabendverkehr bis etwa 19 Uhr kommt die Bahn alle 10 Minuten, anschließend beginnt wieder der 20-Minuten-Takt. Und ab Mitternacht ist sowieso Dienstschluss. Nachtschwärmer, die am Wochenende aufs Auto verzichten wollen, sind auf den Nachtbus angewiesen.
„Das bedeutet auf jeden Fall ein Stück eingeschränkter Lebensqualität und eine Benachteiligung der betroffenen Bürger“, erklärt Alexander Prinz zu Schleswig-Holstein, Vorsitzender des Bürgervereins Rissen, der selbst viel S-Bahn fahre.
Im Frühjahr durften S-Bahn-Kunden neue Hoffnung schöpfen. Die SPD Rissen-Sülldorf verschickte eine Erklärung mit der Überschrift: „SPD-Landesparteitag für ganztägige 10-minütige Taktung der S1 zwischen Blankenese und Wedel.“ Arbeitszeiten verändern sich, so Bezirkspolitiker Henrik Strate (SPD), „klassische 9-bis-17-Uhr-Bürozeiten werden selten. Gerade in den Abendstunden will keiner 20 Minuten auf Bahnhöfen stehen“.
Das war im April. Was hat sich seitdem getan? Nach Auskunft von Angelika Theidig, einer Sprecherin der DB Mobility Logistic AG wäre „der vorgeschlagene 10-Minuten-Takt betriebstechnisch möglich.“ Aber: „Die Voraussetzungen dafür wären: Die Bestellung durch die Stadt Hamburg UND das Land Schleswig-Holstein, zusätzliche Fahrzeuge, sowie die betriebliche und technische Anpassung der Infrastruktur.“
Doch aus Behörden-Sicht gibt es aktuell gar keinen Bedarf, so Helma Krstanoski, Sprecherin der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: „Das Angebot wird am Bedarf orientiert; hier gibt die Nachfrage keinen durchgehenden 10-Minuten-Takt her.“ Ist der Parteitagsbeschluss also bereits Makulatur? Aktuell gebe es keine Initiativen zur Einführung eines 10-Minuten-Takts zwischen Blankenese und Wedel, so Krstanoski weiter.


Meinungen:
Henrik Strate, SPD Altona: „Der 10-Minuten-Takt soll ins Parteiprogramm aufgenommen und so in Regierungshandeln umgesetzt werden. Allerdings ist die Takt-Einführung auch eine Geldfrage.“
Tim Schmuckall, CDU Altona: „Der 10-Minuten-Takt soll im Rahmen des Baus der S-Bahn-Station Ottensen kommen. Damit wird endlich eine langjährige Forderung der Altonaer Politik umgesetzt. Wir begrüßen das.“
Oliver Kusterer (47) aus Rissen: „Für mich ist das kein Thema, mir reicht auch der 20-Minuten-Takt.“
Karin Scheffler (76) aus Rissen: „Das wird ja nie was. Ich glaube nicht, dass der 10-Minuten-Takt noch kommt. Auch die Busanbindung für viele Seniorenheime in Rissen ist ganz bescheiden.“
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