„Ich bin der letzter Mohikaner des Stadtteilkinos“

Kino-besessen: Jansen an der Kasse des Elbe Filmtheaters. (Foto: rs)

Osdorf: Seit 1997 führt Hans-Peter Jansen das Elbe Filmtheater - er kämpft für den Erhalt der örtlichen Lichtspiele

Reinhard Schwarz, Osdorf - Draußen knallt die Sonne auf die Osdorfer Landstraße, Autos rauschen im Sekunden-takt vorbei. Doch wer nachmittags das Elbe Filmtheater betritt, wähnt sich in einer anderen Welt - in der des Kinos, der Abenteuer und der Fantasie. Es riecht nach frisch erhitztem Popcorn.
Kaum jemand vermutet hinter der unspektakulären Fassade des Filmtheaters einen so großen Kinosaal mit rund 280 Plätzen. Es läuft der deutsche Kinderfilm „Rico, Oskar und die Tieferschatten“. An der Kasse sitzt ein zurückhaltender Mann mit leicht zerzaustem Haar und Vollbart: es ist Kinobesitzer Hans-Peter Jansen.
Er wirkt ernst, eher verschlossen, taut aber im Laufe des Gesprächs etwas auf. Dann lächelt er sogar ab und zu. Jansen berichtet von seiner „Mission“: „Ich bin der letzte Mohikaner, der versucht, die Stadtteilkinos zu erhalten.“ Dem „Stadtteilmufti“, wie er sich nennt, geht es um das Kino als „sozialen Treffpunkt“: „Kein anderer Ort kann so charismatisch sein, die Menschen so einfangen wie ein Kinosaal, in dem das Licht ausgeht.“ Jansen kämpft zudem für die europäische und deutsche Filmkultur. Das 1954 eröffnete Elbe Filmtheater übernahm er 1997.
Fünf weitere Kinos unterhält der geborene Hamburger zusammen mit seiner Frau, Lydia Jansen-Matern, darunter seit 1999 das Blankeneser Kino. Seit 1977 widmet sich der Betriebswirtschaftler und Elektrotechniker der Magie des Kinos, übernahm zunächst die Eidelstedter Lichtspiele und nannte das Kino „Alabama“. Es wurde 1992 geschlossen.
„Wir gönnen uns den Luxus und spielen nur, was uns gefällt“, so Jansen. Doch der Kino-Sammler lebt nicht im Elfenbeinturm, er sitzt selbst an der Kinokasse, spricht mit den Zuschauern. Kinder und Ältere bilden mittlerweile sein Stammpublikum. Jährlich wird Jansen für seine anspruchsvollen Kinoprogramme ausgezeichnet. Doch vom Anspruch allein kann er nicht leben. „Man braucht auch die ‘Brotfilme’, um Kosten zu decken“, sagt er. Ein solcher „Brotfilm“ war etwa der französische Überraschungserfolg „Ziemlich beste Freunde“.
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