Herber Schlag

Polo-Profi Thomas Winter – hier mit Hengst Cocaino Win – züchtet in Hamburg erfolgreich Polopferde. Foto: Iris Winter

Für den Polosport in Hamburg bedeutet die EIA viele Einschränkungen – Hoffnung auf den Herbst

Gaby Pöpleu, Osdorf
Hamburg gilt als eines der Zentren des Polosports in Deutschland, nicht zuletzt wegen der großzügigen Trainings- und Turnieranlagen in Osdorf, Klein Flottbek und der angrenzenden Feldmark. Dass jetzt auch hier Pferde vom EIA-Erreger (Das Wochenblatt berichtete, siehe auch Kasten rechts) befallen waren, ist ein herber Schlag für den Sport: Einige der besten deutschen Spieler, darunter Thomas Winter (mit Handicap +4 bester deutscher Spieler), züchten und trainieren hier ihre Pferde.


Pferde sind trainiert, können aber nicht zu Wettkämpfen

Auf den drei betroffenen Höfen in Osdorf sind überwiegend Polopferde verschiedener Besitzer untergebracht. In allen dreien musste ein Pferd getötet werden, weil es den Erreger in sich trug. Bundesweit waren laut Deutschem Poloverband seit Ende Juni elf Pferde positiv getestet worden. Besonders tragisch: Bei keinem war die Krankheit ausgebrochen, alle sahen kerngesund und gut trainiert aus. „Die Halter, Pferdepfleger und die Stallgemeinschaften sind tief bestürzt und trauern“, sagt Bernhard Willroth, Sprecher des Hamburger Pologestütes von Thomas Winter.
Winter selbst gehörte keines der getöteten Pferde. Doch auch er muss Einschränkungen hinnehmen, denn: Die Pferde aus den betroffenen Ställen dürfen vorerst nicht an Wettbewerben teilnehmen, verpassen die Saison fast komplett. Immerhin hatte das renommierte Klein Flottbeker Berenberg-Poloturnier der höchsten Spielklasse „High Goal“ mit Polo-Stars aus dem In- und Ausland Ende Juni noch auf der Anlage des Polo-Klubs in der Jenischstraße stattfinden können.
Doch seitdem herrscht Stillstand. „Das ist zwar eine Enttäuschung für alle Betroffenen, besonders, da die Pferde trainiert waren für die Saisonhöhepunkte im Juli und August“, sagt Willroth, doch die Reiter hätten Verständnis, „damit nicht wieder Pferde getötet werden müssen.“
Inzwischen läuft auf den Höfen an der Katerwohrd der Alltag fast wie gewohnt. Willroth: „Die Polopferde sind Spitzensportler in einem zuletzt sehr hohen Trainingsstand, müssen deshalb regelmäßig trainiert werden und benötigen Bewegungsausgleich und mentale Herausforderungen.“ Dafür gab es – aus Tierschutzgründen – eine Ausnahmegenehmigung vom Amt. Die Tiere dürfen auf privaten Flächen der Gestüte bewegt werden. Man hofft jetzt auf zumindest ein paar schöne Polospiele im Herbst.

Heimtückische Krankheit
Die Equine Infektöse Anämie EIA befällt nur Einhufer, also Pferde, Esel, Maultiere oder Zebras. Menschen können sich nicht anstecken. Die Krankheit muss den Behörden gemeldet werden.EIA wird überdas Blut durch stechende Insekten übertragen. In den Insekten überlebt das Virus nur höchsten 30 Minuten.
Die Krankheit bricht nur bei höchstens zwei Drittel der infizierte Tiere tatsächlich aus. Typisch sind unerklärliche Fieberschübe, punktuelle Blutungen, Apathie, blasse Schleimhäute. Die tödliche Pferdekrankheit kann nicht behandelt werden, eine Impfung gibt es nicht. Befallene Tiere müssen getötet werden, weil sie ihr Leben lang ansteckend bleiben.
EIA ist weltweit verbreitet, gehäuft in Asien, Osteurpa und Südamerika. In Deutschland gab es Fälle in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg und jetzt auch in Schleswig-Holstein.

(Quelle: Friedrich-Löffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit)
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