Geldstrafe für den Vater

Medienvertreter warten vor dem Verhandlungsaal auf Hartmut G.. Er wird wegen fahrlässiger Tötung und Verstoß gegen das Waffengesetz angeklagt. (Foto: put)

Hartmut G. ließ den Schlüssel zum Tresor offen liegen, dort lag die Pistole – 15-jähriger Sohn holt sie sich und schießt sich in den Kopf

Puttfarken/ Istel, Blankenese - Vor dem Saal 18 des Amtsgerichts Blankenese herrscht Medienrummel. Fernsehkameras, Fotoreporter und Journalisten warten auf die Ankunft von Hartmut G., dessen 15-jähriger Sohn Max (Name geändert) sich im Dezember 2014 mit einer Waffe, die er aus dem Familientresor genommen hatte, in den Kopf schoss.
Zuerst war es ein friedlicher Abend: Herr G. und seine Frau verließen am Abend des 4. Dezembers 2014 ihre Wohnung in der Simrockstraße, um den
Wagen der Ehefrau abzuholen, den sie nach einer Weihnachtsfeier stehen gelassen hatte. Seinen Schlüsselbund mit dem Tresorschlüssel ließ Hartmut
G. ausnahmsweise zu Hause liegen.
Eigentlich nicht schlimm, doch Sohn Max entdeckte ihn und öffnete den Tresor im elterlichen Schlafzimmer. Er nahm die dort liegende Waffe heraus, ging in sein Zimmer, setzte sie sich an die Schläfe – und drückte ab. Wie ein Wunder überlebte Max den Kopfschuss. Das Projektil steckt immer noch in seinem Kopf. Ärzte raten von einer Operation ab.
Vater Harmut G. wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz angeklagt. Zwar hat er für den Besitz der Schuss-waffe, die er von seinem Vater – einem Polizisten – erbte, eine Erlaubnis. Für die scharfe
Munition jedoch nicht.
Woher kam die scharfe Munition?
Auf die Frage der Richterin, woher die Munition stamme, hatte Harmut G. keine Antwort, nur eine Vermutung. Diese wollte er aber nicht erörtern.
Die Zeugenaussage einer LKA-Beamtin, dass ihr aus dem Tresor eine weitere Patrone entgegengerollt sei, als sie diesen geöffnet habe, bestritt Herr G.: Es habe sich im Haus keine weitere Munition befunden.
Das sah die Richterin anders: „Ich bin überzeugt, dass diese Munition Ihnen zuzurechnen ist.“ Ihr Urteil: eine Geldstrafe von 2.400 Euro wegen fahrlässiger Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz.
Die Frage, warum Max sich in den Kopf geschossen hat, konnte im Prozess nicht geklärt werden. „Das bleibt ein Rätsel“, so die Richterin.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.