Erstaufnahme wird nicht mehr gebraucht

Der 46-jährige Sven Kessler leitete die Zentrale Erstaufnahme am Rugenbarg ein knappes Jahr lang. (Foto: DRK)

Unterkunft am Rugenbarg wurde Ende September geschlossen – Interview mit dem Leiter der Einrichtung

Osdorf – Jetzt ist sie geschlossen: die Erstaufnahme Rugenbarg. Die Gründe: Man konnte sich mit dem Besitzer nicht über die Miete einigen, zum anderen wird die Unterkunft nicht mehr so dringend gebraucht. Es kommen weniger Flüchtende nach Deutschland. Im ehemaligen Baumarkt lebten bis kurz vor der Schließung 580 Geflüchtete. Sie sind jetzt in Folgeunterkünften oder anderen Erstaufnahmen untergebracht. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Altona und Mitte betreute mit rund 60 Mitarbeiter insgesamt über 3.100 Asylsuchende in der Erstaufnahme. Einrichtungsleiter Sven Kessler blickt auf das vergangene Jahr zurück.
Was waren die größten Herausforderungen beim Aufbau und Betrieb der Unterkunft?
Sven Kessler: Zunächst die
Logistik. Ein ehemaliger Baumarkt ist nicht dafür vorgesehen, bis zu 1.600 Menschen eine Übernachtungsmöglichkeit zu geben. Wir mussten innerhalb kürzester Zeit für Wasser, Abwasser, Elektrizität und Brandschutz entsprechende Infrastrukturen schaffen sowie gutes Personal gewinnen. Bereits während der laufenden Baumaßnahmen mussten wir die neu ankommenden Flüchtlinge vor Ort koordinieren. Der Druck auf Hamburg war groß, und es galt, allen Menschen Obdach zu geben. Darüber hinaus haben wir uns bis zum Schluss dafür eingesetzt, eine bessere Privatsphäre zu schaffen.

Was war Ihnen als Leitung besonders wichtig?
SV: Sauberkeit, Ordnung und Struktur.

Fiel es Ihnen schwer, diese Strukturen durchzusetzen?

SV: Wenig Verständnis gab es beim Thema Müllmanagement durch die Bewohner. Die Wohnbereiche von Familien waren sauberer als die von alleinreisenden Männern.

In einem ehemaligen Baumarkt mit hunderten Menschen zusammenzuleben, ist herausfordernd. Wie hat sich das bei den Bewohnern bemerkbar gemacht?
SV: Ich habe unsere Einrichtung oft mit einem größeren deutschen Dorf verglichen.
Vieles, was typisch für das Zusammenleben in einem Dorf ist, gab es auch hier. Dazu gehören leider auch hin und wieder Handgreiflichkeiten zwischen einigen Bewohnern. Die Mitarbeiter unseres Sicherheitsdienstes haben dafür gesorgt, die Zahl solcher Vorfälle gering zu halten. Selbstverständlich haben wir im Nachhinein mit den Streitenden über das Vorgehen gesprochen.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit den Bewohnern?
SV: Berührt hat mich, dass in dem Jahr elf neue Erdenbürger die ersten Wochen ihres Lebens bei uns verbracht haben. Unter die Haut ging auch das Feedback eines syrischen Bewohners, der im Rahmen seines Asylverfahrens in eine andere Stadt wechseln musste und sich dafür bedankte, wie wir uns um ihn und die anderen Bewohner gekümmert haben. Wir haben viel Dankbarkeit erfahren, auch beim Abschied der letzten Bewohner.
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