Er spielt die Olaf-Scholz-Karte

Spieleerfinder aus Blankenese: Peter Lemcke. Foto: stahlpress medienbüro

Peter Lemcke hat ein kluges Spiel über den Bau der Elbphilharmonie ertüftelt

Volker Stahl, Hamburg

„Wir spielen immer – wer‘s weiß, ist klug“, heißt es in Arthur Schnitzlers „Paracelsus“. Um einiges schlauer ist man auch nach einer Partie des „Elphi“-Spiels, das die Entstehungsgeschichte von Hamburgs neuem Wahrzeichen simuliert: Drei oder vier Akteure müssen das Konzerthaus mit Best-Lock-Steinen um die Wette nachbauen. Der Sieger hat womöglich rechtzeitig die nach Hamburgs Erstem Bürgermeister benannte „Scholz-Karte“ („Deckel drauf!“) ausgespielt oder profitierte von der „Terrorkarte“, die das Stapeln der Steine abrupt stoppte und den bis dato Führenden zum Gewinner machte.
„Eine glückliche Hand, Diskussionen und eigene Lösungen machen den Reiz aus“, sagt Erfinder Peter Lemcke über sein Elphi-Spiel, das er aus Frust über die „absurde Entstehungsgeschichte des Gebäudes“ erdacht hat. Während der 15 bis 90 Minuten Spieldauer lernen die Teilnehmer, wie Baufirmen tricksten, die Stadt als Auftraggeber komplett versagte und Architekten sich über Nachfolgeaufträge in Serie freuen durften.

Der Tausendsassa kehrte 2011 nach Hamburg zurück

Den Stoff für die 56 Ereignis-, acht Diskussions- und vier Rollenkarten schöpfte der „Spiele-Freak“ („Bild-Zeitung“) aus Berichten des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses und Medienberichten über Pleiten, Pech und Pannen rund um den Bau des Großprojekts. „Mich hat gestört, dass es hier keine Kontrollmechanismen gibt, die so ein Desaster verhindern. In England ist das anders“, sagt Lemcke.
In der Spiele-Szene ist Peter Lemcke bekannt wie ein bunter Hund. Er trug eine 20.000 Spiele umfassende Sammlung zusammen, die den Grundstock für sein 1986 in Hamburg gegründetes und seit 1995 in Chemnitz beheimatetes Deutsches Spielemuseum bildete. „Ich bin berufsbedingt viel gereist. Dabei habe ich mir vor dem Rückflug immer die Zeit genommen, mit dem Taxi Antiquitätenläden in Rom, Paris, New York oder sonstwo abzuklappern“, erzählt der ehemalige Theaterregisseur, Filmemacher, Journalist, Kochbuchautor („Omas Küche und unsere Küche heute“) und Erfinder der Skigymnastik im Bayerischen Regional-Fernsehen. Bis 2011 stand er „seinem“ Museum als Direktor vor. Anschließend zog er wieder zurück in seine Heimatstadt, wo er in Blankenese von seinem Balkon den Blick auf die Elbe genießt.
Am 19. Mai wird Peter Lemcke 80 Jahre alt, die man ihm nicht ansieht. Was reizt ihn seit Kindertagen im ausgebombten Hamburg so stark an Würfel, Spielbrett und den als Pöppel bezeichneten Figuren? „Spiel ist die Widerspiegelung des täglichen Erlebens in komprimierter Form“, sagt er. Der Spielende durchlebe Emotionen und prüfe seine Haltung zur Wirklichkeit, ohne dabei reale Folgen fürchten zu müssen, wenn er aussteige. „Letztlich ist das Spiel ein Weg zur Seele, unabhängig von Beruf und sozialer Schicht.“ Der Herr der Pöppel hat gesprochen.

Info
Peter Lemcke: Elphi – Das Spiel, 35 Euro; Bezug über: Elphi@gds.de oder unter
Tel. 0172/7919725
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