„Endlich wieder was zu tun!“

Projektleiter der Nutzmüll-Fahrradwerkstatt: Nils Trefflich. Fotos: CVS
Hamburg: Nutzmüll |

Fahrradwerkstatt von Nutzmüll in Bahrenfeld beschäftigt 28 Langzeitarbeitslose.

Von Christopher von Savigny. Das schmucke braune Hollandrad der Marke „Tors“ in der Werkstatt des Vereins Nutzmüll bestand ursprünglich nur aus einem Rahmen und einer Gabel. Thorsten Harms und Mark Henning haben die passenden Laufräder für das Gefährt gefunden, Lenkstange, Sattel und Schutzbleche montiert und neue Schalt- und Bremszüge eingezogen. Nach eineinhalb Tagen Arbeit sieht der betagte Drahtesel aus wie neu. „Ich versuche immer, so viele Teile wie möglich original zu ersetzen“, sagt Harms, der seit gut einem Jahr bei Nutzmüll in der Boschstraße als Fahrradmechaniker arbeitet. Eigentlich ist Harms Gabelstaplerfahrer.
Beruflich lief bei ihm zuletzt nicht viel, so dass er glücklich war, wieder ins Berufsleben zurückkehren zu können – wenn auch anders als gedacht. 1,60 Euro pro Stunde erhält er als offizieller „Ein-Euro-Jobber“. Das Geld darf er zusätzlich zu seiner Hartz-IV-Unterstützung behalten. „Mir gefällt's hier“, sagt er. „Man lernt eine Menge, und die Kollegen sind sehr nett.“

Mit selbstgebauten Rädern am Start bei den Cyclassics

Seit 1984 bietet der Verein Nutzmüll mit Hauptsitz in Bahrenfeld Langzeitzeitarbeitslosen die Möglichkeit, einer geförderten Beschäftigung nachzugehen. Derzeit sind 250 Menschen, viele von ihnen schwerbehindert, in unterschiedlichen Projekten untergebracht. Neben der Fahrradwerkstatt gibt es eine Tischlerei, eine Computer- und eine Textilwerkstatt sowie ein Stadtteilpflegeprojekt. Die Fahrradwerkstatt (aktuell 28 Mitarbeiter) läuft so erfolgreich, dass vor zwei Jahren eine Dependance in Barmbek gegründet wurde. „Man merkt, wie gut es den Leuten tut, wenn sie nach langer Zeit wieder etwas zu tun bekommen“, sagt Werkstattleiter Nils Trefflich. Erst in diesem Sommer seien zwei Teilnehmer mit selbst gebauten Rädern und T-Shirts mit Nutzmüll-Logo bei den Cyclassics mitgefahren. „Ein Riesenerfolg, vor allem vor dem Hintergrund der extrem unterschiedlichen Lebensläufe“, sagt Trefflich.
Von Klapp-, Kinder- und Rennrad bis hin zu Holland- und Tourenrad werden bei Nutzmüll die unterschiedlichs-ten Zweiradtypen aufgemöbelt. Für Rahmen- und Lackierarbeiten stehen eine Sandstrahl- und eine Schweißkabine zur Verfügung. Wer ein Zweirad kaufen oder sein altes Gefährt reparieren lassen möchte, muss einen Bedürftigkeitsnachweis vorlegen. Vom Bezirksamt und von Wohnungsbaugesellschaften wird der Verein regelmäßig mit Alträdern versorgt. Weitere Spenden sind willkommen. Kontakt unter Tel. 89 06 63 29 oder per E-Mail an fahrrad@nutzmuell.de
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