Einmal etwas aus dem 14. Jahrhundert in Händen halten

In der Bibliothek des Christianeums stehen seltene
Einzelausgaben wie Dantes „Göttliche Komödie“ – 
die Öffentlichkeit kann die Bibliotheca Christianei nutzen

Pöhlsen/ Istel, Othmarschen

„Das sieht aus wie bei Harry Potter!" Staunend stehen die Kinder vor den Regalen mit alten Büchern. Sie sind natürlich nicht in der Zauberschule Hogwarts, sondern im Christianeum. Eine Zeitreise kann man hier, in der größten historischen Gymasialbibliothek ganz Deutschlands, dennoch machen: Hier stehen nämlich 27.000 Bücher aus dem 14. bis 18. Jahrhundert.
Der größte Schatz ist eine Ausgabe von Dantes „Göttlicher Komödie“ aus dem Jahr 1360 sowie „Il Filostrato“ von Boccaccio, das im gleichen Jahr entstand. Für Stauenen sorgen auch die Wittenberger Gesamtausgabe der Werke Luthers (1539 bis 1559) und die ersten Berechnungen einer Kometenlaufbahn von Johannes Kepler (1619).
Weiße Handschuhe liegen immer griffbereit, damit die historischen Werke bei der Benutzung keinen Schaden nehmen. Die ältesten Werke sind in einem separaten Raum untergebracht, der besonders klimatisiert ist. Die Temperatur muss unter 20 Grad liegen, und die Luftfeuchtigkeit soll weniger als 50 Prozent betragen. In diesem Raum befindet sich auch ein Panzerschrank für besondere historische Schätze.
In der Bibliothek sind zudem alle Schulprogramme des Christianeum seit 1738 gesammelt, dem Jahr der Gründung des humanistischen Gymansiums durch König Christian VI. von Dänemark. Ein großes Buchvermächtnis legte 1727 den Grundstock für den Bestand. In den folgenden Jahren konnte die Sammlung durch wertvolle Schenkungen und Ankäufe weiter wachsen.
Herrin der „bibliophilen Schätze“ ist Heike Müller. Bevor sie Ende des vergangenen Jahres die Leitung hier übernahm, arbeitete sie an der Hamburger Universität. Jetzt möchte sie den Schülern zur Seite stehen, wenn es um wissenschaftliches Arbeiten und die Auswertung von historischen Dokumenten geht.
Das Christianeum ist mit 1.000 Schülern das größte von vier humanistischen Gymnasien in Hamburg. Der nach den Plänen des Star-Architekten Arne Jacobsen 1973 entstandene Schulbau wurde von 2013 bis 2016 für 19,7 Millionen Euro saniert und modernisiert. Davon flossen 1,2 Millionen Euro in die kürzlich wiedereröffnete historische Bibliothek. Sie ist der Öffentlichkeit zugängig. Doch eine Einschränkung gibt es: Direkt in den his-torischen Kostbarkeiten schmökern, das können die Nutzer nicht. Durch den Gebrauch nähmen die Bücher Schaden. Jetzt werden sie nach und nach digitalisiert und können dann am Computer eingesehen werden.

Wer die Bibliothek des Christianeums nutzen möchte, muss sich schriftlich beim Schulsekretariat, Otto-Ernst-Straße 34, 22605 Hamburg, anmelden.
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