Eine zweite Chance

Sozialpädagogin Elena Massaro von der Gemeinnützigen Wohnheimgesellschaft kümmert sich um Bewohner wie Kai Bröcker. Foto: CVS

Wohnheim GmbH vermittelt Zuschüsse an Vermieter, die Wohnungen an Haftentlassene vermieten

Von Christopher von Savigny. Seit März ist Kai Bröcker quasi ununterbrochen auf Wohnungssuche – doch nun hat er die Faxen langsam dicke. Nur eine einzige Rückmeldung von einem Anbieter habe er bekommen – eine negative. Ansonsten Funkstille. „Ich habe mich hauptsächlich bei Genossenschaften beworben“, berichtet Bröcker. „Eine davon hat mich sogar von vornherein abgelehnt.“
Das Problem: Der junge Mann lebt zurzeit in einer Unterkunft für Haftentlassene und hat einige Schulden auf dem Konto. Außerdem ist er arbeitslos und lebt von Hartz IV. „In solchen Fällen kann man die Wohnungssuche praktisch vergessen“, sagt Elena Massaro von der Gemeinnützigen Wohnheimgesellschaft in Altona, die auch die Unterkunft in der Max-Brauer-Allee betreibt.
21 WG-Plätze für Ex-Strafgefangene bietet der Träger an, bis zu eineinhalb Jahren dürfen die Männer dort offiziell wohnen. Doch aufgrund der notorischen Wohnungsknappheit in der Hansestadt schafft es kaum jemand, von dort wegzuziehen.
Dabei kann es sich finanziell sehr lohnen, eine Wohnung an einen Haftentlassenen zu vergeben: Unter dem Stichwort „Belegungsbindung“ bietet die Stadt Hamburg Zuschüsse in Höhe von 15.000 Euro für Vermieter an, die sich zu diesem Schritt entschließen. Voraussetzung: Das Mietverhältnis muss mindestens ein Jahr Bestand haben, bei Verbleib des Mieters gilt die Bindung für zehn Jahre. Zudem darf die Nettokaltmiete nicht über dem Hartz-IV-Satz (zurzeit 348,50 Euro) liegen. Ausgeschüttet wird die Prämie durch die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB). „Kaum ein Vermieter weiß darüber Bescheid“, sagt Elena Massaro. „Dabei ist das wirklich ein sehr lukratives Angebot.“

„Wohnungsgröße ab 20 Quadratmeter“

Viele Haftentlassene haben psychische oder Suchtprobleme, und es fehlt ihnen an sozialen Kontakten. Die Wohnheim GmbH, die zum Hamburger Fürsorgeverein gehört, bemüht sich, ihre Klientel wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
Kai Bröcker ist bereits auf einem guten Weg: „Ich will wieder arbeiten“, sagt der gelernte Lagerist. Ein Job im Einzelhandel würde ihm gefallen. „Ich mag den Kundenkontakt“, so Bröcker. Fehlt nur noch die Wohnung. Ein bis zwei Zimmer, Wohnungsgröße ab 20 Quadratmeter – mehr müsse es nicht sein. Stadtteil egal. „Nur Billstedt nicht“, sagt Bröcker. „Da habe ich schlechte Erfahrungen gemacht.“
Infos zur Vermieterprämie: Tel. 300 33 75 15 (Elena Massaro
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